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Kindergeld:Bis zu 416 Euro gegen die Armut

Familienministerin Barley will das Kindergeld reformieren. Profitieren sollen davon Familien mit geringerem Einkommen.

Von Constanze von Bullion, Berlin

Bundesfamilienministerin Katarina Barley (SPD) will Familien mit geringerem Einkommen gezielter unterstützen. "Alle Kinder sollen eine Chance auf ein gutes Aufwachsen haben", sagte sie am Dienstag in Berlin. Barley stellte ein neues Kindergeldkonzept vor, das verdeckte Armut in Familien verhindern soll. Rund eine Million Kinder in Deutschland leben nach Aussagen der Ministerin in Familien, in denen die Eltern zu viel verdienen, um Grundsicherung zu beziehen - aber zu wenig, um von steuerlichen Erleichterungen profitieren zu können. "Das Aufwachsen dieser Kinder ist von wirtschaftlicher Not geprägt", so Barley.

Von zwölf Millionen Kindern in Deutschland leben demnach 2,5 Millionen mit einem Armutsrisiko. Oft seien staatliche Leistungen für ihre Eltern "schwer durchschaubar", so Barley, gerade wenn es an Deutschkenntnissen fehle. So beantragten nur 30 Prozent aller berechtigten Eltern den Kinderzuschlag, der gezahlt wird, damit Familien nicht in den Hartz-IV-Bezug abrutschen. 70 Prozent der Familien verzichteten, "auch aus Scham", und lebten in verdeckter Armut. Das Kindergeld hingegen, das automatisch aufs Konto überwiesen werde, erreiche immer sein Ziel.

Barley will nun "die Einfachheit des Kindergelds mit der Zielgenauigkeit des Kinderzuschlags" verbinden. Der Kinderzuschlag soll zusammen mit dem Kindergeld ausgezahlt werden. Dabei sollen Geringverdiener fürs erste und zweite Kind bis zu 393 Euro bekommen, das entspricht dem Existenzminimum für ein Kind. Fürs dritte Kind soll es bis zu 399 Euro geben, fürs vierte 416 Euro. Mit steigendem Einkommen werden die Beträge abgeschmolzen - sodass sich Erwerbsarbeit beider Eltern weiter lohnt. Familien von einem Bruttoeinkommen von 3600 Euro an sollen nur das bisherige Kindergeld erhalten. Barley will besonders Kinderreiche und Alleinerziehende erreichen. Das Deutsche Kinderhilfswerk begrüßte den Vorschlag.

Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt kündigte ähnliche Pläne an. Nötig sei "die gezielte Förderung von Kindern aus Familien mit geringem Einkommen anstatt der Steuergeschenke der Union", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Familien sollten einen monatlichen Kindergeldbonus von maximal 364 Euro bekommen, der zusammen mit dem herkömmlichen Kindergeld ausgezahlt wird.

© SZ vom 13.09.2017

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