bedeckt München 28°

Kinderbücher:Die Welt im kleinen Quadrat

  • Seit 1954 sind die quadratischen Pixibücher in Deutschland erfolgreich.
  • Familienministerin Giffey stellt jetzt ein neues Buch vor, in dem es um das Thema Privatsphäre geht.
  • Auch Themen wie Inklusion und Armut werden in der Reihe behandelt.

Manchmal passt die ganze Welt in ein Quadrat, zehn mal zehn Zentimeter groß. Mehrere Generationen sind groß geworden mit den Pixi-Büchern, jenen liebevoll gestalteten bunten Heftchen, die in jeden kleinen Rucksack, jede Wickeltasche passen. Doch es tummeln sich nicht mehr nur niedliche Raben, Hühner, Osterhasen, die schlaue Conni oder Märchenfiguren durch die 24 bunten Seiten. So wie sich die Gesellschaft wandelt, haben sich die Inhalte von Pixi-Büchern geändert. Es gibt dort nun Scheidungskinder, es geht um Gewalt, um Armut. Am Montag will Bundesfamilienministerin Franziska Giffey das Pixi-Buch "Stopp, privat!" vorstellen. Im Fokus: der Schutz der Intimsphäre von Kindern.

Ein durchaus passender Titel in Zeiten, in denen nichts mehr privat zu sein scheint. In denen Eltern ungefragt Fotos ihrer Kinder als Profilbild auf Whatsapp & Co. verwenden. In denen Jugendliche ohne langes Nachdenken fast alles von sich im Netz preisgeben. Weil es so scheint, dass das Bewusstsein für das, was persönlich ist und bleiben sollte, neu erlernt werden muss, hat das Deutsche Kinderhilfswerk mit dem Carlsen-Verlag eine Pixi-Reihe aufgelegt. Darin geht es ausschließlich um Kinderrechte. Um Ansprüche, die in der UN-Kinderrechtskonvention festgelegt sind. Dazu gehört auch das Recht auf Privatsphäre.

Pro Jahr werden zwölf Millionen Pixibücher verkauft

Die Chancen stehen gut, dass dieses Büchlein von vielen gelesen und - beim Zubettbringen - von vielen gehört wird. Die Reihe des Carlsen-Verlags ist eine echte Erfolgsgeschichte. 1954 erschien das erste Buch im Mini-Format, es trug den Titel "Miezekatzen". Der Verleger nannte die Reihe "Pixi" nach dem Englischen "pixy" für Kobold. Seitdem sind in Deutschland 480 Millionen Exemplare verkauft worden. Jede Woche erscheint ein neues Pixi-Buch, pro Jahr finden so zwölf Millionen Stück den Weg in die Taschen von Eltern, Kindern und Sammlern. Anfänglich kostete ein Büchlein 50 Pfennig. Nun sind es 99 Cent. Der aktuelle April-Titel: "Das Sandmännchen im Baumhaus".

Pixi ist als Marke geschützt. Fast jedes Kind kennt den Vermerk "Dieses Buch gehört:", der in schönster Schreibschrift auf der Umschlaginnenseite steht. Thomas Krüger, Präsident des Kinderhilfswerks, spricht darum von einer "tollen Möglichkeit", die Kinderrechte bekannter zu machen, nicht nur bei der Pixi-Zielgruppe der Drei- bis Sechsjährigen: "Auch die Eltern werden beim Vorlesen der Bücher informiert und sensibilisiert."

Das neue Büchlein "Stopp, privat!" arbeitet mit einfachen Bildern, um das Problem aufzuzeigen. Die Oma von Cem, einem Jungen aus einer Spielgruppe, geht ungefragt an dessen Schublade im Kinderzimmer. Als er das merkt, reagiert er sehr verletzt. Gemeinsam erkennen Cem und seine Freunde, dass es private Bereiche gibt, die alle respektieren müssen. In jedem Pixi-Buch aus der Kinderrechtereihe steht ein anderes Kind im Mittelpunkt. Ein Mädchen sitzt im Rollstuhl. Ein Junge kann sich nicht so viel wie die anderen kaufen. Ein Mädchen ist traurig darüber, dass sich die getrennten Eltern sogar beim Abholen in der Kita-Garderobe streiten. Es ist das Große im Kleinen.

Literatur "Kinder müssen auch mal irritiert werden"

Bilderbücher

"Kinder müssen auch mal irritiert werden"

Müssen rosafarbene Glitzerbücher raus aus Kinderzimmern? Wie prägend sind Bücher für Kinder? Und worauf sollten Eltern beim Vorlesen achten? Ein Bilderbuchforscher im Gespräch.   Interview von Sabrina Ebitsch