KinderbetreuungVom sozialistischen Makel zum Fördermodell

Die Erzieherinnen streiken, Eltern im ganzen Land sind betroffen. So logisch dieser Zusammenhang heute ist, so umstritten war die Kinderbetreuung noch vor wenigen Jahren. Die Zeitenwende in der deutschen Familienpolitik in Zitaten.

Von Dorothea Grass

Während in der DDR Frauen in Vollzeit ihr eigenes Geld als Traktoristin, Maschinenbauerin oder Hygieneinspektorin verdienten, ihre Männer das Gleiche - für zugegebenermaßen etwa 20 bis 30 Prozent mehr Lohn - taten und beider Kinder in den staatlichen Kindertagesstätten und Horteinrichtungen betreut wurden, sah es lange Jahre im Westen Deutschlands ganz anders aus. Dort verdiente der Mann den Familienunterhalt, während die Frau zu Hause die (meist noch kleinen) Kinder betreute, um später eventuell wieder in Teilzeit in den Beruf zurückzukehren.

Die großen politischen Debatten im Westdeutschland der Nachkriegszeit - sie gingen um Atompolitik, Aufarbeitung der Nazi-Zeit und die Ostverträge. Das Thema Familie, Frau und Beruf taugte wenig zur politischen Profilierung. Das hat sich mit der Wiedervereinigung gründlich geändert. Doch bis im Bundestag leidenschaftlich über die richtige Kinderbetreuung diskutiert wurde, brauchte es seine Zeit.

Der Wandel in Politiker-Zitaten.

Bild: dpa 13. Mai 2015, 16:572015-05-13 16:57:08 © SZ.de/gal/ghe/pamu