Kinderbetreuung Bund will Erzieher besser bezahlen

Familienpolitik Kita

Familienministerin Giffey will die Erzieherausbildung attraktiver machen.

(Foto: Markus Spiske/Unsplash)
  • In Deutschland fehlen Hunderttausende Erzieher.
  • Bundesfamilienministerin Giffey will deshalb dafür sorgen, dass die Ausbildung attraktiver wird und die Abbrecherquote sinkt.
  • Der Bund stellt über ein neues Förderprogramm 300 Millionen Euro zur Verfügung.
Von Henrike Roßbach, Berlin

Mehr als 38 000 junge Menschen entscheiden sich jedes Jahr für eine Ausbildung als Erzieherin oder Erzieher. Das sind zwar gut 80 Prozent mehr als vor zehn Jahren - gemessen am Bedarf werden laut Studien trotzdem bis 2025 zwischen 190 000 und 310 000 Erzieher fehlen. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) will deshalb dafür sorgen, dass die Ausbildung attraktiver wird und die Abbrecherquote sinkt. Der Knackpunkt aus ihrer Sicht: Bislang bekommt nicht einmal jede fünfte angehende Erzieherin eine Vergütung für die dreijährige Ausbildung, die an Fachschulen stattfindet und zu der Praxisphasen im Kindergarten gehören.

Für die nächsten zwei Ausbildungsjahrgänge stellt der Bund deshalb über ein neues Förderprogramm 300 Millionen Euro zur Verfügung, damit zusätzliche 5000 Fachschüler eine Ausbildungsvergütung bekommen können. Konkret erstattet der Bund den Kita-Trägern, die sich für das Programm bewerben, die Kosten für das erste Ausbildungsjahr komplett, im zweiten Jahr müssen sie 30 Prozent zur Vergütung besteuern, im dritten 70 Prozent. Geplant ist eine monatliche Vergütung von anfangs 1140 Euro, die im dritten Ausbildungsjahr auf 1303 Euro steigt. Geld soll zudem in die Weiterbildung und zeitliche Entlastung von erfahrenen Erzieherinnen fließen, die Nachwuchskräfte betreuen, und in einen "Aufstiegsbonus" von bis zu 300 Euro im Monat für besonders qualifizierte Erzieher mit Sonderaufgaben.

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Giffey betonte bei der Vorstellung ihres Programms in einer Berliner Fachschule für angehende Erzieher, dass der Bund mit 300 Millionen Euro natürlich nur einen "wesentlichen Impuls" setzen könne. Am Ende müssten sich auch die Länder bewegen. Sie wolle niemanden aus der Verantwortung entlassen, sagte Giffey mit Blick auf die Länder, in deren Aufgabenbereich die Kitas fallen. "Aber offensichtlich ist ein stärkerer Schub nötig." Im Gespräch mit Fachschülern, die von ihren Schwierigkeiten berichteten, ihre dreijährige Erzieherausbildung zu finanzieren, sagte Giffey: "Das ist das Problem: dass wir in einem Mangelberuf Menschen haben, die das gerne machen würden, aber sagen, sie könnten es sich nicht leisten."

Letztlich wird Giffey mit dem neuen Programm auf dem gleichen Feld aktiv wie mit dem Gute-Kita-Gesetz, das der Bundestag vergangene Woche verabschiedet hat -, nur in viel geringerem Umfang. Über das Gute-Kita-Gesetz fließen bis Ende 2022 rund 5,5 Milliarden Euro an die Länder, zur Verbesserung der Kita-Qualität. Die "Gewinnung und Sicherung qualifizierter Fachkräfte in der Kindertagesbetreuung" ist dabei explizit als Verwendungszweck vorgesehen. Allerdings hat der Bund kaum Einfluss darauf, ob die Länder einen signifikanten Teil der Milliarden wirklich für diesen Punkt verwenden. Es zeichnet sich vielmehr eine Präferenz ab, dank der Bundesmittel die Kitagebühren abzuschaffen - was am Erziehermangel naturgemäß nichts ändern wird. Über den Zuschnitt ihres neuen 300-Millionen-Euro-Programms dagegen kann Giffey alleine bestimmen.

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