Süddeutsche Zeitung

Kinderarmut:Unerträglich

Der Kampf gegen Kinderarmut ist Selbstschutz der Gesellschaft.

Von Constanze von Bullion

Das Armutsrisiko für Kinder in Deutschland steigt. Knapp drei Millionen junge Menschen leben in Verhältnissen, in denen Geld fürs Nötigste fehlt und oft auch Bildung und Perspektive. Fast drei Millionen, zweimal die Einwohnerzahl von München, das ist eine gewaltige Zahl, und sie wird größer. Nach dem Familienreport der Bundesregierung ist das Armutsrisiko unter 18-Jähriger um 1,5 Prozentpunkte gestiegen. In Haushalten Alleinerziehender und Kinderreicher, vor allem aber bei Zuwanderern gedeiht die Giftpflanze Kinderarmut.

Wie kann es eigentlich sein, dass in einem derart reichen Land die Schar benachteiligter Kinder wächst, und kaum einen kümmert das? Im Wahlkampf streiten die Parteien nicht darüber, wie Kinder befähigt werden, aus Armut und Resignation auszubrechen. Familie, Ganztagsschule, erwerbstätige Mütter - alles kein Thema bei Fernsehduellen. Lieber zankt man da über innere Sicherheit und den Hass im Land, so als sei nicht bekannt, worin er wurzelt.

Es sind gerade die Marginalisierten und wenig Selbstbewussten, die anfällig sind für Hetze, Fremdenhass oder Islamismus. Wer abseits von Chancen zurückgelassen worden ist, sinnt nicht selten auf Rache an den Eliten einer Gesellschaft, die wachsende Ungerechtigkeit ignorieren. Kampf gegen Kinderarmut ist kein wohltätiger Schnickschnack. Er dient dem Selbstschutz einer Gesellschaft, die demokratisch bleiben will.

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Quelle:
SZ vom 16.09.2017
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