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Kinderarmut:Mehr Kinder leben von Hartz IV

Jeder Siebte unter 18 ist auf die Grundsicherung angewiesen, bei Kindern unter drei Jahren sogar jedes sechste. Die Zahlen steigen bei Kindern von Zuwanderern und fallen bei inländischen Familien - Flüchtlinge sind besonders betroffen.

Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auf Hartz IV angewiesen sind, ist gestiegen. Knapp jeder siebte Mensch unter 18 ist betroffen. Im Juni 2017 lebten in Deutschland fast 2,1 Millionen Kinder in Familien, die von der Grundsicherung abhängig waren. Das sind 5,2 Prozent mehr als im Juni 2016 und acht Prozent mehr als vor fünf Jahren. 2013 war nur knapp jeder Achte unter 18 betroffen. Noch höher ist die Quote bei Kindern unter drei Jahren: Jedes sechste von ihnen lebte Mitte 2017 in einer Familie, die Hartz IV bezog. Das zeigen die jüngsten Statistiken der Bundesagentur für Arbeit.

Die Arbeitsagentur begründet den relativ starken Anstieg vor allem mit der wachsenden Zahl ausländischer Familien, die von Hartz IV leben. Für Flüchtlinge, die nach abgeschlossenen Asylverfahren nicht sofort Arbeit fänden, käme in der Regel das Jobcenter auf, sagte ein Sprecher der Arbeitsagentur der Deutschen Presseagentur. Die Statistik erfasst unter Flüchtlingen all jene Hartz-IV-Empfänger, die nicht mehr den Status eines Asylbewerbers haben, also entweder eine Aufenthaltsgenehmigung besitzen oder geduldet sind.

Zwischen 2016 und 2017 hat sich der starke Zuzug von Flüchtlingen aus dem Vorjahr statistisch erheblich ausgewirkt. Mitte des vergangenen Jahres lebten 583 600 Kinder und Jugendliche in ausländischen Familien, die Hartz IV bezogen. Das sind 41,1 Prozent mehr als im Vorjahr und fast doppelt so viele wie im Jahr 2012. Zwischen Juni 2013 und 2017 stieg die Zahl der minderjährigen syrischen Hartz-IV-Empfänger von 7659 auf 205 200. Die Anzahl der jungen Afghanen vervierfachte sich auf gut 37 000, auch die der Iraker nahm erheblich zu, auf mehr als 51 000.

Ebenfalls auffällig: Die Zahl der jugendlichen Hartz-IV-Empfänger unter den EU-Migranten ist gestiegen. Zum Beispiel waren Mitte vergangenen Jahres 30 340 Bulgaren auf die Grundsicherung angewiesen, fünf Mal mehr als 2013. "Es sind neue Gruppen in die Grundsicherung gekommen - und das wird bei den Kindern besonders deutlich", sagte der Arbeitsmarktforscher Torsten Lietzmann. Hingegen seien immer weniger inländische Kinder auf Hartz IV angewiesen - weil die Zahl der Langzeitarbeitslosen insgesamt sinke.

Grundsätzlich zeigt die Statistik große regionale Unterschiede. Im Norden sind mehr Personen unter 18 von Hartz IV abhängig als im Süden. In Bayern leben lediglich 6,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen in einer Familie, die Grundsicherung bezieht. Allerdings ist die Tendenz auch im Freistaat steigend: Mit 155 200 Beziehern waren Mitte 2017 knapp sieben Prozent mehr junge Menschen betroffen als im Vorjahr. Eine vergleichsweise niedrige Hilfequote hat auch Baden-Württemberg mit 8,4 Prozent. Der Bundesdurchschnitt liegt bei etwa 14,6 Prozent. In Bremen und Berlin hingegen ist fast jeder Dritte unter 18 Jahren von staatlicher Unterstützung abhängig, in Sachsen-Anhalt und Hamburg gut jeder Fünfte.

© SZ vom 05.04.2018 / dpa, afp, sz

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