Kim trifft Putin Sonderzug nach Wladiwostok

Kim Jong-un vor seinem bevorzugten Transportmittel: dem Zug.

(Foto: AFP)
  • Nordkoreas Machthaber Kim und Russlands Präsident Putin wollen sich am Donnerstag in Wladiwostok treffen.
  • Kim werde den USA demonstrieren, dass er auch auf andere Partner setzen könnte, schreibt eine südkoreanische Nachrichtenagentur.
  • Zu dem Treffen fahren Kim und seine Entourage mit dem Zug - der am Grenzübergang seine Räder wechseln muss.
Von Silke Bigalke, Moskau, und Christoph Neidhart, Tokio

Zum ersten Mal trifft sich Kim Jong-un mit Wladimir Putin, ein Besuch, auf den der russische Präsident schon seit Längerem hofft. Der nordkoreanische Machthaber soll an diesem Mittwoch in seinem Spezialzug in der russischen Hafenstadt Wladiwostok ankommen. Am Mittwochabend wird Putin für ihn dort ein Bankett ausrichten, am Donnerstag wollen sich die beiden zu ihrem Gipfel in der Föderalen Fernost-Universität auf der Insel Russkij in der Bucht von Wladiwostok zusammensetzen. Auf deren Campus wehen bereits die Fahnen von Nordkorea und Russland. Nach dem Treffen wird Kremlchef Putin zum Seidenstraßen-Gipfel nach Peking weiterfliegen. Kim wird für ein Besuchsprogramm noch bis Freitagabend in Wladiwostok bleiben.

Ungewöhnlich für Nordkorea hat die staatliche Nachrichtenagentur KCNA Kims Reise, seine erste nach Russland, bereits vorab angekündigt. Allerdings nannte sie kein Datum oder andere Details. Medien in Südkorea und Russland haben diese aufgrund der Vorbereitungen präzisiert. Demnach sollen Kim und sein Tross von 230 Nordkoreanern in Wladiwostok an Bord des Sonderzugs übernachten. Im Sommer 2011 führte die letzte Auslandsreise seines Vater Kim Jong-il auch nach Russland, an den Baikalsee zum damaligen Präsidenten Dmitrij Medwedjew.

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Bei den jetzigen Gesprächen geht es um das nordkoreanische Atomprogramm, die Sanktionen gegen Nordkorea sowie die wirtschaftliche Zusammenarbeit, wie aus Moskau verlautete. Russland hatte an den Sechs-Parteien-Gesprächen zur Denuklearisierung des Nordens mit den USA, China, Japan und Südkorea teilgenommen, die vor zehn Jahren platzten. Seither hat Moskau in der Nordkorea-Frage an Einfluss verloren. Putin dürfte es als aussichtslos betrachten, Nordkorea zur Abrüstung zu drängen. Vermutlich wird er sich eher darum bemühen, den Status quo zu erhalten und eine weitere Aufrüstung des Nordens zu vermeiden. Nachdem der zweite Gipfel zwischen US-Präsident Donald Trump und Kim in Hanoi scheiterte, könnte Putin auch eine Chance sehen, sich als Vermittler zwischen Nordkorea und dem Westen ins Spiel zu bringen.

Dem bis vor 14 Monaten isolierten Kim bietet das Treffen erneut Gelegenheit, sich als Staatsmann zu präsentieren. Er werde die geografische Lage seines Landes ausnützen und den USA demonstrieren, dass er auch auf andere Partner setzen könnte, analysierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap. "Er wird Trump zeigen wollen, dass es nicht weise ist, den Druck auf Nordkorea zu erhöhen", so der Politologe Nam Chang-hee von der Inha-Universität in Seoul. Solange Trump auf dem "großen Deal" zur kompletten Atomabrüstung des Nordens bestehe, habe er keine Hoffnung für einen Durchbruch.

Für Russland ist mehr wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Nordkorea kaum möglich. Moskau hält sich offiziell an die UN-Sanktionen, auch wenn Außenminister Sergej Lawrow deren Lockerung fordert. Obwohl Russland seine Bahnlinie in die Freihandelszone um Nordkoreas Hafen Rason modernisiert hat, bleibt der Handel zwischen den Ländern eher unbedeutend. Er erreichte 2017 einen Wert von knapp 78 Millionen Dollar und ist seither um mehr als die Hälfte eingebrochen. Moskau will laut der Tageszeitung Kommersant nun einen Mechanismus einführen, mit dem Waren ohne Geldüberweisung ausgetauscht werden, allerdings nur für Produkte, die nicht auf der UN-Sanktionsliste stehen. Im September warf die damalige US-Botschafterin bei den UN, Nikki Haley, Russland vor, es unterlaufe die Sanktionen. Stark gesunken ist auch die Zahl nordkoreanischer Gastarbeiter in Russland, derzeit dürften es noch knapp 10 000 sein. Wegen der Sanktionen müssen sie Russland bis Ende des Jahres verlassen, auch darüber wollen Kim und Putin sprechen. Doch mehr als prinzipielle Erklärungen und Symbolik erwarten die Kommentatoren nicht von dem Treffen. Dieses bringt laut Kommersant auch technische Probleme mit sich. Der nordkoreanische Zug muss am Grenzübergang seine Räder wechseln. Für russische Schienen müssen sie breiter sein als für die nordkoreanischen. Eine weitere Hürde ist das Tor am Bahnhof von Wladiwostok: Kims Limousine ist zu hoch. Deshalb wurde 20 Zentimeter Erde abgetragen.

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