Süddeutsche Zeitung

Neue Details:Täter im Fall Khashoggi wohl in den USA ausgebildet

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Vier Männer, die an der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten beteiligt waren, sollen zuvor an einem paramilitärischen Training teilgenommen haben. Eine US-Zeitung berichtet nun neue Details dazu.

Vier Männer, die an der Ermordung des saudi-arabischen Journalisten und Regimekritikers Jamal Khashoggi beteiligt gewesen sind, haben offenbar in den USA an paramilitärischen Ausbildungen teilgenommen. Dies berichtet die New York Times unter Berufung auf Unterlagen zu den Schulungen und Aussagen von Personen, die Kenntnis von dem Vorgang haben sollen.

Dem Bericht nach fand das Training bei einer Sicherheitsfirma namens Tier 1 Group statt, die der Zeitung die Ausbildung der Männer bestätigte. Demnach sei die Ausbildung "defensiver Natur" gewesen und habe unter anderem zum Ziel gehabt, saudische Führungspersönlichkeiten besser zu schützen. Konkret sei es dabei um Themen wie Treffsicherheit, Überwachung und das Abwehren von Angriffen gegangen.

Die Ausbildung sei im Rahmen eines Vertrages erfolgt, welcher vom US-Außenministerium genehmigt worden sei, schreibt die New York Times außerdem. Bereits im Jahr 2019 hatte es in einer Kolumne der Washington Post, für die Khashoggi einst schrieb, Hinweise auf die Ausbildung der Täter in den USA gegeben.

Khashoggi war am 2. Oktober 2018 im saudischen Konsulat in Istanbul von einem Spezialkommando aus Riad getötet worden. Die Führung des islamisch-konservativen Königreichs war danach scharfer Kritik ausgesetzt. Die saudi-arabische Regierung räumte den Mord erst auf internationalen Druck hin ein. Fünf Personen wurden zum Tode verurteilt. Nachdem die Söhne Khashoggis ihnen verziehen, wandelte ein Gericht das Urteil in 20 Jahre Haft um. Drei weitere Personen wurden zu Haftstrafen zwischen sieben und zehn Jahren verurteilt. Es ist unklar, welche vier der Täter an den Ausbildungen in den USA teilgenommen haben sollen.

Ausbildung wirft Fragen auf

Die Spuren führten damals bis in das engste Umfeld des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, dem eigentlich starken Mann des Landes. Die UN-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard kam in einem Untersuchungsbericht zu dem Schluss, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Thronfolgers und anderer ranghoher Vertreter Saudi-Arabiens gebe. Auch die USA erklärten unter Präsident Joe Biden öffentlich, auf Grund des Machteinflusses des Kronprinzen müsse er für die Tat verantwortlich sein.

Die vier Personen sollen im Jahr 2017 an dem Training teilgenommen haben, wobei zwei Personen auch schon in den Jahren 2014 und 2015 ausgebildet worden sein sollen. Den Chef der Mutterfirma der Tier 1 Group zitiert die New York Times mit den Worten, dass eine Untersuchung im Jahr 2019 kein Fehlverhalten des Unternehmens aufgedeckt habe und dass das Training "nichts mit der Ermordung von Jamal Khashoggi zu tun hatte". Die New York Times verweist darauf, dass die Ausbildung der Männer in den USA dennoch die Frage nach der Verflechtung der Vereinigten Staaten mit einem Regime aufwirft, "dessen Agenten schreckliche Menschenrechtsverletzungen begangen haben".

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