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Kein Vertrauen in Parteichef Rösler:FDP-Wähler sehnen sich nach Brüderle

Vor dem FDP-Dreikönigsparteitag belegt eine Umfrage, wie desaströs der Ruf des Bundesvorsitzenden Philipp Rösler bei der liberalen Gefolgschaft ist. Ausgerechnet Euro-Rebell Frank Schäffler hilft indirekt dem taumelnden Vizekanzler.

Regionalkonferenz der FDP

Philipp Rösler mit Fraktionschef Rainer Brüderle: Laut einer Forsa-Umfrage halten die Bürger letzteren für den besseren FDP-Parteichef.

(Foto: dpa)

Kurz vor dem traditionellen Dreikönigstreffen der FDP ist das Ansehen von Parteichef Philipp Rösler im Keller. 76 Prozent der FDP-Wähler halten nach einer Forsa-Umfrage Fraktionschef Rainer Brüderle für den besseren Parteivorsitzenden. Nur acht Prozent sehen das nicht so. Unter den Bürgern insgesamt sind 38 Prozent der Ansicht, Brüderle wäre der bessere Parteichef. 28 Prozent glaubten nicht, dass Brüderle es besser machen würde. 34 Prozent der im Auftrag des Stern Befragten hatten keine Meinung.*

Die Nachricht kommt für die Parteiführung zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt: Die Liberalen wollen auf ihrem Dreikönigstreffen am Sonntag die Weichen für das Wahljahr 2013 stellen - eine letzte große Möglichkeit für Wirtschaftsminister Rösler, in absehbarer Zeit Statur zu beweisen.

Denn einen souveränen Vorsitzenden hätte die hochnervöse Regierungspartei bitter nötig: Sie rangiert in den Umfragen seit Monaten um die Fünf-Prozent-Hürde und muss um ihren Wiedereinzug in den Bundestag fürchten. Für das Tief wird auch Parteichef Rösler verantwortlich gemacht. Zuletzt kratzte sein Kabinettskollege und Parteipräsident Dirk Niebel an Röslers Führungsanspruch. Der Entwicklungsminister stellte offen in Frage, ob Rösler die Partei in die Bundestagswahl führen soll.

Sein Schicksal an der FDP-Spitze dürfte auch davon abhängen, ob den Liberalen am 20. Januar bei der Wahl in Röslers niedersächsischer Heimat der Wiedereinzug in den Landtag gelingt. Der Vizekanzler hatte nach Weihnachten selbst offen gelassen, wie es um seine politische Zukunft nach dem Urnengang aussieht.

Ausgerechnet der mit Rösler nicht gerade in Freundschaft verbundene Euro-Kritiker Frank Schäffler kommt dem taumelden Vizekanzler indirekt zu Hilfe. Die "Formschwäche" der FDP sei weniger personell als inhaltlich begründet, sagte der Bundestagsabgeordnete der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das Vorstandsmitglied forderte eine radikale Neuausrichtung der Freidemokraten.

Die FDP müsse "Reden und Handeln besser in Einklang" bringen als in der Vergangenheit. "Die FDP muss die Partei der Selbstverantwortung in einer Landschaft voller Staatsparteien sein." Der Staat müsse Freiheit, Recht und Eigentum schützen - viel mehr aber auch nicht. Dies sei eine liberale Kernposition und das Gegenteil der Ziele von rechten wie linken Parteien, die jeweils einen bevormundenden Staat wollten.

Den größten Schutz für den Bundesvorsitzenden aber bietet sein interner Rivale um die Macht: Fraktionschef Brüderle. Dass die Freidemokraten bislang nicht öffentlich gegen Rösler revoltieren, dürfte auch daran liegen, dass der 67-Jährige bislang öffentlich abwinkte, wenn es um den Posten des Parteivorsitzes geht.

*Anmerkung und Linktipp der Redaktion, 4.1.2012: Christian Kirchner zweifelt bei FTD-Wunder die Aussagekraft der Umfrage an.