Türkischer Kulturmäzen und Menschenrechtler:Wer ist Osman Kavala?

Türkischer Kulturmäzen und Menschenrechtler: Intellektueller, Kunstmäzen, Förderer von Bürgerrechtsbewegungen: Osman Kavala.

Intellektueller, Kunstmäzen, Förderer von Bürgerrechtsbewegungen: Osman Kavala.

(Foto: AFP)

Erdoğan hat Kavala einst den "Soros der Türkei" genannt, weil der ähnlich wie der US-Milliardär Bürgerrechtsorganisationen unterstützt, außerdem fördert seine Stiftung Kunst- und Kulturprojekte. Seit vier Jahren wird er in Haft gehalten.

Von Christiane Schlötzer

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 19. Dezember 2019. Wir veröffentlichen ihn hier, leicht aktualisiert, erneut.

Zuletzt hat man Osman Kavala nur noch im Gerichtssaal eines türkischen Hochsicherheitsgefängnisses gesehen - als Angeklagten. Schlank, groß, grauhaarig, mit geradem Rücken stand er vor dem Richtertisch. Und wurde wieder abgeführt, über eine Rampe hinaus aus dem 1000 Quadratmeter großen Saal, direkt in den Untergrund des Gefängniskomplexes. Der Abgang erinnerte an eine Bühnenshow. Das passte gut zu diesem Prozess, der wie eine politische Farce wirkt.

"Es schmerzt zu erkennen, dass ein Staat keinen Wert auf die Freiheit seiner eigenen Bürger legt", schrieb Kavala, der türkische Kulturmäzen und Unternehmer, an seine Freunde und Helfer. Da war er gerade ein Jahr in Untersuchungshaft. Mittlerweile sind es vier Jahre.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan hat Kavala einst - und dies sollte abschätzig klingen - den "Soros der Türkei" genannt, weil der ähnlich wie der US-Milliardär Bürgerrechtsorganisationen unterstützt. Seine Stiftung, 2002 gegründet, fördert Kunstprojekte für Kurden und Flüchtlingskinder aus Syrien, ein armenisch-türkisches Jugendorchester, Ausstellungen zur Vertreibung der Griechen. Kavalas Vater wurde im Tabakhandel reich. Nach dessen Tod 1982 übernahm der Sohn die Geschäfte, darunter auch Bergwerke und Immobilien. Aus dem aktiven Geschäft zog er sich später zurück und wurde hauptberuflich Philanthrop.

Die 657 Seiten starke Anklageschrift wirft Kavala vor, die Gezi-Proteste 2013 finanziert zu haben. Die galten anfangs der Rettung eines kleinen Istanbuler Parks, entwickelten sich aber zu den größten Protesten gegen die Regierung Erdoğan, die es je gab. Kavala hat stets bestritten, sie finanziert zu haben. Mitangeklagt - aber auf freiem Fuß - sind 15 Akademiker, Architekten, Schauspieler, die mit Kavala verbunden sind, darunter auch die jetzt mit dem Preis geehrte Asena Günal. Allen drohen jeweils bis zu 30 Jahre Haft.

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hat im Jahr 2019 die lange Untersuchungshaft für Kavala scharf verurteilt. Offensichtlich, so das Gericht, solle hier ein Menschenrechtsverteidiger zum Schweigen gebracht werden. Die Türkei muss als Mitglied des Europarats Urteile des Gerichts eigentlich befolgen, sie hat in anderen Fällen aber schon Ausflüchte gefunden.

Kavala war über Jahre Kooperationspartner des Goethe-Instituts und anderer internationaler Kulturinstitutionen. Prominente Türkei-Besucher, auch Kanzlerin Angela Merkel, suchten gern das Gespräch mit ihm.

Zwischen den Prozesstagen liegen stets viele Wochen. Nach der Verhandlung im Oktober 2019 trat Kavalas Ehefrau Ayşe Buğra, eine Wirtschaftsprofessorin, gemeinsam mit ihren Anwälten auf. Sie hatte sich zuvor mit öffentlichen Äußerungen zurückgehalten. Das Sprechen fiel ihr erkennbar schwer. Sie sagte, die Mutter ihres Mannes sei über 90 Jahre alt, "sie wartet auf ihren Sohn". Und: "Es ist schwer, wenn man kein Vertrauen mehr in die Justiz hat."

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