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Kaufhäuser:Tummelplatz der Immobilienhaie

Galeria Kaufhof - Chemnitz

Metro verkauft Kaufhof für etwa 2,8 Milliarden Euro an Hudson's Bay. Szene aus Chemnitz

(Foto: dpa)

Dass Kaufhof an einen ausländischen Investor verkauft wird, ist keine schlechte Nachricht. Bitter ist etwas anderes: Wo Kaufhäuser schließen, zieht Leere ein.

Kommentar von Karl-Heinz Büschemann

Jetzt auch noch Kaufhof. Wieder ist ein heimischer Kaufhauskonzern an einen ausländischen Investor verkauft worden. Die allpräsente Marke in den deutschen Innenstädten geht an den kanadischen Konzern Hudson's Bay. Der taumelnde Konkurrent Karstadt war schon 2010 zunächst an den US-Investor Nicolas Berggruen verkauft worden, der die heruntergewirtschaftete Kette im vergangenen Jahr an den österreichischen Unternehmer René Benko weiterreichte.

Problematisch ist nicht, dass Ausländer die beiden schon im vorletzten Jahrhundert gegründeten Traditionsfirmen kauften, die zur Grundausstattung der Nachkriegs-Bundesrepublik gehörten. Ratlos macht allerdings, dass von der alten Idee des Kaufhauses nicht mehr viel übrig zu sein scheint. Das wirtschaftlich Interessante an Kaufhäusern ist heute nicht mehr der Inhalt, also das Warenangebot und der Service. Es sind vor allem die Gebäude selbst, die meist in den besten Lagen der Städte liegen. Der Handel wird zum Tummelplatz von Immobilienhaien.

Hudson's Bay mag ein fast 350 Jahre altes Handelsunternehmen sein, das auch Kaufhäuser betreibt, unter anderem die edle US-Kette Saks Fifth Avenue. Der Konzern, hinter dem ein internationaler Finanzinvestor steht, ist auch im Immobiliengeschäft engagiert. Der zahlte den größten Teil des Kaufpreises von 2,8 Milliarden Euro für die 61 Laden-Immobilien von Kaufhof, auf die er ein besonderes Auge geworfen hat. Von den Kaufhof-Filialen werden auf die Dauer nur ausgewählte Häuser überleben. Ähnlich dürfte es der Karstadt-Käufer Benko machen. Er wird ein paar der Filialen in guten Lagen großer Städte weiterführen, der Rest wird irgendwie zu Geld gemacht, entwickelt, wie man das im modernen Immobilien-Deutsch nennt.

Wo Kaufhäuser schließen, zieht die Leere ein

Es mag der Lauf der modernen Welt, der Globalisierung und des Internets sein, dass heute Immobilienspekulationen mehr Gewinn versprechen als Handelsgeschäfte des buchstäblich ehrbaren Kaufmanns, der in guter Innenstadtlage alles unter einem Dach anbietet, was Menschen brauchen, vom Hosenknopf bis zur Tube Zahnpasta.

Es ist aber nicht nur für Nostalgiker bedauerlich, dass kreative Internet-Unternehmer wie der Amazon-Macher Jeff Bezos die Errungenschaft von Einzelhandelspionieren wie Georg Wertheim oder Hermann Tietz mit neuen Ideen und Technologien ablösen. Kaufhäuser bringen Leben in die Städte. Wo sie schließen, zieht die Leere ein, die Immobilien-Entwickler kaum wieder füllen können. Sie sorgen für Büros von Unternehmensberatern und Anwaltskanzleien und vielleicht noch für ein paar Wohnungen für Gutverdiener, die es zunehmend in die Städte zurückzieht.

Diese Entwicklung ist auch zu beklagen, weil das Kaufhaus nicht tot ist, wie man in anderen Ländern sehen kann. Der steile Abwärtstrend hat auch mit Fehlern der Kaufhaus-Konzerne selbst zu tun. Die haben lange die moderne Welt des Handels ignoriert. Karstadt wie Kaufhof haben die Bedürfnisse und Gewohnheiten der jungen Kunden übersehen, das Internet-Geschäft vernachlässigt und die Modernisierung ihrer Sortimente wie der Läden versäumt. Jetzt beklagen sie, dass ihre Kundschaft überaltert ist, und sie reagieren darauf mit Sparmaßnahmen und mit Entlassungen. Dass es Kaufhof besser geht als dem Wettbewerber, liegt nur daran daran, dass Karstadt noch mehr Fehler gemacht hat als Kaufhof.

Von Kaufhof wie von Karstadt wird in zehn Jahren wahrscheinlich nicht mehr viel übrig sein. Nur noch ein paar Ausnahme-Läden werden noch Kaufhäuser sein und ein paar entkernte Bürogebäude in Innenstädten werden daran erinnern, dass es einmal eine große Zeit deutscher Kaufhäuser gab.

© SZ vom 16.06.2015/jasch

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