bedeckt München 32°

Katholische Kirche:Vatikan lenkt im Streit um Hochschul-Rektor ein

Weil er sich für Schwule und Lesben engagierte, erhielt der Theologe keine Lehrerlaubnis. Nun bekommt er sie doch.

Im Streit um den Frankfurter katholischen Theologen Ansgar Wucherpfennig hat nun der Vatikan eingelenkt: Wucherpfennig erhält die offizielle kirchliche Erlaubnis, das sogenannte Nihil Obstat, für eine weitere Amtszeit als Rektor der Jesuiten-Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt. Der Bibelwissenschaftler, der auch im Bistum Limburg Seelsorger für Homosexuelle ist, bezeichnet die Ablehnung der Homosexualität in der Bibel als zeitbedingt und setzt sich für Segnungsfeiern für lesbische und schwule Paare ein. Die Bildungskongregation im Vatikan hatte ihm auf der Grundlage eines Interviews in der Frankfurter Neuen Presse aus dem Jahr 2016 das Nihil Obstat verweigert und ihn aufgefordert, seine Positionen zu widerrufen. Wucherpfennig hatte dies nicht getan und die Leitung der Hochschule kommissarisch seinem Stellvertreter übergeben.

In einer Erklärung betonte Wucherpfennig, dass er als Ordensmann und Priester "dem authentischen Lehramt der Kirche verpflichtet" sei. Die Fragen, die er als Seelsorger und Wissenschaftler an die Ablehnung von Segensfeiern für Homosexuelle habe, werde er "auch in Zukunft als seine persönliche Auslegung kennzeichnen" und in Artikeln präzisieren. Er hoffe, dass die kirchliche Lehre sich weiter öffne und entwickle. Der Provinzial der deutschen Jesuiten, Johannes Siebner, zeigte sich erleichtert und bedankte sich "für die breite Unterstützung" Wucherpfennigs. Der Jesuiten-Provinzial hatte ebenso wie der Limburger Bischof Georg Bätzing in dem Streit die Auffassung vertreten, dass Wucherpfennigs Theologie und Seelsorgepraxis auf dem Boden der katholischen Lehre stünden.