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Katholische Kirche:Rüffel aus Rom

Abschluss Deutsche Bischofskonferenz

Kardinal Reinhard Marx will sich in Rom erklären.

(Foto: Mohssen Assanimoghaddam/dpa)

Der Vatikan interveniert gegen Reformpläne von Bischofskonferenz und Laien. Letztere sind empört, Kardinal Marx plant Gespräche mit Mitgliedern der Kurie, um eventuelle Missverständnisse auszuräumen.

Ein gewisser Zorn war unüberhörbar bei Thomas Sternberg, dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, dem schönen Anlass zum Trotz. Das Erzbistum Hamburg hatte ihn am Mittwoch zum Vortrag geladen, das Thema: der "Synodale Weg", mit dem die deutschen Bischöfe und die im ZdK vertretenen Verbände die Vertrauenskrise überwinden wollen, in der die katholische Kirche gerade steckt. Die Gegner jeglicher Reform, so polterte Sternberg, versuchten, den Prozess mit Hilfe einer Weisung aus Rom "plattzumachen", das aber werde nicht gelingen. Schließlich habe Papst Franziskus im Juni die Katholiken in Deutschland in einem Brief ermutigt, freimütig über die Zukunft ihrer Kirche zu reden. Wer aus der dort ebenfalls stehenden Mahnung, nichts an Papst und Weltkirche vorbei zu beschließen, ein Verbot der freien Debatte herauslese, der liege falsch.

Was die Zuhörer des ZdK-Präsidenten nicht wussten: Just in dieser Woche ist ein weiterer Brief aus Rom angekommen, beim Münchner Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz. Und der sagt ziemlich unfreundlich, was alles nicht geht bei den Beratungen, die von Januar an in Frankfurt stattfinden sollen und zu deren Vorbereitung sich Bischofskonferenz und ZdK noch bis Samstag in Fulda zur nichtöffentlichen Beratung treffen. Geschrieben hat ihn Kardinal Marc Ouellet, der Präfekt der Bischofskongregation, einer der mächtigen Konservativen in der Kurie. Damit spitzt sich der Konflikt um den Gesprächsprozess zu, bei dem die Bischöfe und die Laienvertretung über Kirche und Macht reden wollen, über den Zölibat, die Rolle der Frauen, die kirchliche Sexualmoral. Und die Verantwortlichen können eigentlich nur noch wählen, mit wem sie Ärger riskieren wollen: mit dem enttäuschten Kirchenvolk oder mit Rom.

Das nämlich ist der Kern des Ouellet-Briefes. Es sei offensichtlich, dass die Themen des Prozesses "nicht nur die Kirche in Deutschland, sondern die Weltkirche betreffen", heißt es in einem Gutachten, das der Kardinal hat anfertigen lassen. Deshalb könnten diese Themen "nicht Gegenstand von Beschlüssen und Entscheidungen einer Teilkirche sein". Besonders stößt sich Ouellet an der Bedingung des ZdK, die Beratungen der Versammlung müssten offen sein und die Beschlüsse verbindlich: "Wie kann eine Teilkirche verbindliche Beschlüsse fassen, wenn die behandelten Themen die Weltkirche betreffen?" Überhaupt: "Die Erarbeitung ist eine synodale Aufgabe, die Entscheidung ist eine Verantwortung des Amtes". Keinesfalls also könnten die in den Versammlungen vertretenen Bischöfe überstimmt werden. Die "Synodalität in der Kirche" sei "kein Synonym für Demokratie oder Mehrheitsentscheidungen". Sie müsse sich "im Leib einer hierarchisch strukturierten Gemeinschaft" vollziehen.

Den Passus in den Statuten, wonach eine Mehrheit der Bischöfe überstimmt werden könnte, ist bereits geändert. Kardinal Marx habe Kontakt mit Kardinal Ouellet aufgenommen, erklärte die Bischofskonferenz am Freitag. Marx werde "in der kommenden Woche in Rom Gespräche führen, in denen etwaige Missverständnisse ausgeräumt werden sollen". Das Misstrauen in Rom gegenüber dem "Synodalen Weg" dürfte das nicht wirklich auflösen können, zumal derzeit offenbar die Kirchenzentrale bombardiert wird mit Mails und Briefen aus dem konservativen Lager, das fürchtet, der Synodale Weg würde zur Verwässerung der katholischen Lehre führen.

Der Brief stärkt die Position des Kölner Kardinals Rainer Maria Woelki, der schon vor einer Abspaltung der Deutschen von der Weltkirche gewarnt hat. Er dürfte aber gerade in den katholischen Frauenverbänden den Frust wachsen lassen, die dringend auch über den Zugang von Frauen zu Weiheämtern reden wollen. Für den Kirchenrechtler Thomas Schüller ist klar, dass der synodale Prozess "nicht wie geplant durchgeführt werden" kann: "Eine kleine Minderheit der Bischöfe unter Führung von Kardinal Woelki" habe es "durch gute Kontakte nach Rom geschafft, den ganzen Reformprozess zu konterkarieren."