Am ersten Jahrestag seiner Papstwahl hat Leo XIV. die Gläubigen eindringlich zum Gebet für Frieden aufgefordert. In einer mehrfach von Beifall unterbrochenen Predigt vor rund 20 000 Menschen in der süditalienischen Stadt Pompeji stellte er am Freitag den Aufruf zum Frieden als zentrale Botschaft des Christentums dar. Sie zeige einer Menschheit, die zum Herrschen und zu Krieg neige, die Zuneigung Gottes, die in Jesus Christus ihr menschliches Gesicht angenommen habe. Der Frieden werde „durch internationale Spannungen und durch eine Wirtschaft aufs Spiel gesetzt, der Waffenhandel wichtiger ist als Respekt für das Leben“. Am Vortag hatte der Papst in Rom mit US-Außenminister Marco Rubio über die Weltlage gesprochen. Dem waren heftige Angriffe von US-Präsident Donald Trump auf das Kirchenoberhaupt vorausgegangen, in denen Trump unter anderem die Friedensaufrufe Leos kritisierte. Mit Nachdruck erinnerte Leo XIV. in Pompeji an die großen Friedensaufrufe des 2005 verstorbenen Papstes Johannes Paul II. „Seither sind die Zeiten nicht besser geworden. Die Kriege, die noch immer in so vielen Teilen der Erde geführt werden, verlangen neue Anstrengungen.“ Diese müssten nicht bloß wirtschaftlich und politisch sein, sondern auch geistlich und religiös. „Frieden entsteht im Herzen“, so der Papst: „Wir können uns nicht abfinden mit den Bildern des Todes, die uns die Nachrichtensendungen jeden Tag zeigen.“