Katholische Kirche:Leiter des Limburger Priesterseminars tot aufgefunden

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Die bischöfliche Residenz am Dom in Limburg.

Die bischöfliche Residenz am Dom in Limburg.

(Foto: Frank Rumpenhorst/dpa)

Dem Geistlichen war übergriffiges Verhalten vorgeworfen worden, Bischof Bätzing hatte ihn zunächst vom Dienst freigestellt. Der mutmaßliche Suizid ruf im Bistum Bestürzung hervor.

Von Annette Zoch

Der Leiter des Limburger Priesterseminars, Christof May, ist am Donnerstag tot aufgefunden worden. Das bestätigte das Bistum Limburg an diesem Freitag. May war der Mitteilung zufolge am Mittwoch in einem persönlichen Gespräch zu Vorwürfen übergriffigen Verhaltens angehört und von Bischof Bätzing von allen Ämtern freigestellt worden, um die Vorwürfe prüfen und aufklären zu können. Bätzing handelte damit gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Staatsanwaltschaft Limburg geht davon aus, dass der Priester sich selbst das Leben genommen hat. "Nach den umfangreich geführten Ermittlungen gibt es keine Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden oder eine strafbare Handlung, die zum Tode des Verstorbenen geführt hat", teilte der Sprecher der Ermittlungsbehörde am Freitag mit. Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet, sollen den zuständigen "Ansprechpersonen für Hinweise auf tatsächliche Anhaltspunkte für den Verdacht eines sexuellen Missbrauchs" Beschuldigungen gegen May bekannt geworden sein. Diese seien ebenfalls gemäß den Leitlinien nach einem Gespräch mit den mutmaßlich Betroffenen protokolliert, auf ihre Plausibilität hin geprüft und dann dem Bischof zugänglich gemacht worden.

Der 49-jährige May war Domkapitular im Limburger Domkapitel und Bischofsvikar für Kirchenentwicklung. Überregionale Aufmerksamkeit erzielte er durch eine Predigt am 4. Oktober 2020, die im Internet viral ging. Darin forderte er vehement eine Öffnung der katholischen Kirche, insbesondere mit Blick auf wiederverheiratete Geschiedene und homosexuelle Paare. May kritisierte in der Predigt auch, dass Frauen keinen Zugang zu Weiheämtern in der katholischen Kirche hätten.

Bätzing stand zuletzt unter Druck

Anmerkung der Redaktion

Über Selbsttötungen berichtet die Süddeutsche Zeitung nur in Ausnahmefällen und nach sorgfältiger Prüfung. Wenn Ihre Gedanken darum kreisen, sich das Leben zu nehmen, sprechen Sie mit Freunden und Familie darüber. Hilfe bietet auch die Telefonseelsorge, anonym und kostenlos unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222, zudem ist über www.telefonseelsorge.de eine Online-Beratung möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen bietet die Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: www.suizidprophylaxe.de.

Der aus dem Westerwald stammende Priester studierte Philosophie und Theologie an der Hochschule Sankt Georgen in Frankfurt und an der päpstlichen Universität Gregoriana in Rom. Dort wurde er 2004 promoviert. Danach wurde er Kaplan in Königstein und Kronberg. 2008 trat er seine erste Pfarrstelle an. Bevor er 2018 Regens wurde, war May Bezirksdekan in den Regionen Wetzlar und Lahn-Dill-Eder.

"Die Geschehnisse erschüttern uns im Bistum Limburg und weit darüber hinaus", teilte der Bistumssprecher am Freitag mit. "Der Tod trifft uns sehr, ruft Bestürzung und Fassungslosigkeit hervor." Der Tod des Priesters sei für alle im Bistum, besonders auch für den Bischof, die Personalverantwortlichen und die Bistumsleitung sehr bedrückend und hinterlasse offene Fragen. "Die aufrichtige Anteilnahme des Bistums gilt der Familie des Verstorbenen. Zugleich sind wir in Gedanken auch bei denen, die die Vorwürfe gemeldet haben", so der Bistumssprecher.

Bätzing stand zuletzt öffentlich unter Druck, weil er 2020 einen Priester zum Bezirksdekan befördert hatte, der in den Jahren 2000 und 2007 zwei Frauen belästigt haben soll. Bätzing hatte argumentiert, dass das Verhalten des Pfarrers keine Straftat gewesen sei, der Vorfall schon viele Jahre zurückliege und der Mann Reue gezeigt habe. Zuletzt bezeichnete er die Beförderung aber als einen Fehler und bat die Betroffenen um Verzeihung, der Bezirksdekan trat von seinem Posten zurück.

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Ein Priester, der wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen vorbestraft ist, geht 1996 als Seelsorger in die Ukraine. Dort vergeht er sich erneut an Kindern. Das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis beteuert: Wir haben nichts gewusst. Doch das ist offenbar nicht die ganze Wahrheit.

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