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Katholische Kirche:Fehlerteufelin

Die katholisch-theologische Fakultät der Uni Bonn schreibt eine Professur aus. Natürlich nur für Priester. Doch die Uni setzt sich für Diversität und Chancengleichheit ein. Da darf ein Zusatz nicht fehlen, katholische Kirche hin oder her.

Ein Aprilscherz? Eine Vision? Oder ist da, kurz vor Ostern, mitten in den Corona-Wirren, eine Entwicklung in der katholischen Kirche an allen vorübergegangen? Vor ein paar Tagen hat die Universität Bonn eine Stellenanzeige ins Netz gestellt: An der katholisch-theologischen Fakultät sei "zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine W3-Professur für die Exegese des Neuen Testaments" zu besetzen. Die Professur mit einem monatlichen Grundsold von 6871,22 Euro werde allerdings "mit einem Priester besetzt". So weit, so unspektakulär: Viele katholische Bistümer reservieren wichtige Lehrstühle an den theologischen Fakultäten für Priester, selbst wenn es eine Frau geben sollte, die besser qualifiziert wäre. Die Verträge zwischen Staat und Kirche machen das möglich.

Dann aber geht es weiter im Text: Die Uni Bonn setze sich "für Diversität und Chancengleichheit ein" und wolle "den Anteil von Frauen in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind", erhöhen. Sie fordere "einschlägig qualifizierte Frauen nachdrücklich zur Bewerbung auf". Katholischer Priester gesucht - Frauen bitte melden? Im Netz ist seitdem der Spott groß, vor allem, weil zur Professur der Forschungsschwerpunkt "Ambiguitäten - Identitäten - Sinnentwürfe" gehört, wo es darum geht, wie Widersprüchliches nebeneinander existieren und ausgehalten werden kann. Die Katholische Nachrichtenagentur fragt belustigt: "Maria 2.0 im Erzbistum Köln?"

Es hat dann doch nur der Textbausteine-Teufel die Theologen gefoppt. In die Ausschreibung sei ein falscher Absatz eingefügt worden, teilte die Fakultät mit: "Die Berufung einer Wissenschaftlerin ist im konkreten Fall wegen kirchlicher Vorgaben nicht möglich." Man bedaure die entstandenen Irritationen. Keine Vision: Die Anzeige ist mittlerweile korrigiert.

© SZ vom 03.04.2020

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