Katholische Kirche Benedikt XVI. empfängt Vatikankritiker Küng

Der Papst hat sich überraschend mit Hans Küng, einem der wichtigsten Kritiker der katholischen Kirche, zu einer theologischen Diskussion getroffen. Die deutschen Bischöfe hatten dem Theologen 1980 die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen.

Papst Benedikt XVI. ist überraschend mit dem prominenten Vatikankritiker Hans Küng zusammengetroffen. Das Gespräch sei "in freundschaftlicher Atmosphäre" verlaufen, allerdings habe man keinerlei Glaubensfragen angesprochen.

Seit 1980 ohne kirchliche Lehrerlaubnis: Hans Küng.

(Foto: Foto: AP)

Die Audienz fand bereits am Samstag in Castelgandolfo statt, wie Vatikansprecher Joaquin Navarro-Valls in Rom mitteilte. Der Papst empfing damit einen der bekannesten Kritiker der katholische Kirche.

Das Oberhaupt der Katholischen Kirche und Küng hätten eine "freundschaftliche" theologische Diskussion geführt, sagte Navarro-Valls.

"Beide Seiten waren sich einig, dass es nicht sinnvoll sei, im Rahmen dieser Begegnung in einen Disput über die Lehrfragen einzutreten, die zwischen Hans Küng und dem Lehramt der katholischen Kirche bestehen."

Ratzingers Vorgänger als Chef der Römischen Glaubenskongregation hatte dem Tübinger Theologen 1979 wegen abweichender theologischer Meinungen die Lehrerlaubnis entzogen.

Der Professor für Katholische Theologie an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen war von Papst Johannes XXIII. noch als Berater des Zweiten Vatikanischen Konzils berufen worden.

Insbesondere wegen seiner Zweifel an der päpstlichen Unfehlbarkeitwurde ihm jedoch 1980 von der Deutschen Bischofskonferenz die kirchliche Lehrerlaubnis (Missio canonica) entzogen. Der katholische Priester kritisiert außerdem unter anderem die katholische Haltung zu Empfängnisverhütung, Abtreibung und Zölibat.

Küng blieb nach dem Entzug der Lehrerlaubnis als Direktor des Instituts für Ökumenische Forschung Professor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Nach der Papstwahl im April hatte Küng sich enttäuscht gezeigt, dass das Konklave sich für den Kardinal Joseph Ratzinger entschieden hatte.