Katholische Kirche im OstenDeutliche Botschaft an die AfD

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Aufbau für den Katholikentag vor dem Erfurter Dom.
Aufbau für den Katholikentag vor dem Erfurter Dom. (Foto: Heiko Rebsch/dpa)

In Thüringen zeigen die Kirchen seit Jahren klare Kante gegen die Partei. Inzwischen haben sich alle ostdeutschen Bischöfe von ihr distanziert.

Von Annette Zoch

Thüringen ist eine der am wenigsten katholischen Gegenden Deutschlands, doch das ändert sich zumindest kurzzeitig an diesem Mittwoch: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), der größte katholische Laienverband, veranstaltet den 103. deutschen Katholikentag in der Landeshauptstadt Erfurt.

Im Wahljahr 2024 versteht der Katholikentag sich als "klare Demonstration für Demokratie und Vielfalt". Zahlreiche Veranstaltungen stehen unter der Überschrift "Roter Faden Demokratie". Unter anderem wird Bundeskanzler Olaf Scholz mit Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa und dem Soziologen und Rechtsextremismusforscher Matthias Quent von der Hochschule Magdeburg-Stendal darüber sprechen, wie sich die Gesellschaft stärken lässt. Mit Blick auf die Wahl zum Europäischen Parlament am 9. Juni wird außerdem ein Europatag angeboten. AfD-Vertreter sind zu dem Treffen nicht eingeladen.

Im Januar hatten sich die ostdeutschen katholischen Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung deutlich von der AfD und anderen extremen Parteien distanziert. Die Vollversammlung der deutschen Diözesan- und Weihbischöfe folgte im Februar mit einer einstimmig verabschiedeten Absage gegen völkischen Nationalismus. So deutlich wie nie zuvor distanzierten sich die Bischöfe darin von einer im Bundestag vertretenen Partei. Die AfD sei für Christen nicht wählbar.

"Großen Respekt" habe er vor dieser Haltung, sagte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) der Katholischen Nachrichten-Agentur. "Mich hat die Klarheit positiv überrascht, und ich bin dankbar für die Genauigkeit der Argumentation. Da wird ja nicht einfach gesagt: 'Die sind böse.'"

Die christlichen Kirchen in Thüringen zeigten bereits früh klare Kante gegen die Partei: Als die AfD 2015 auf dem Domplatz regelmäßig zu Demonstrationen gegen die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung aufrief, ließ Bischof Ulrich Neymeyr die Beleuchtung des Doms ausschalten - er sollte nicht als prächtige Kulisse für eine solche Demonstration herhalten.

Die Kundgebung fand dann vor dunklen Kirchtürmen statt. Dies brachte beiden Kirchen auch Proteste von AfD-Mitgliedern in den eigenen Reihen ein. Als "kraftvolles Zeichen" lobt Bodo Ramelow die Licht-Aus-Aktion rückblickend: "Auch wenn das längst nicht alle Katholiken toll fanden, die Leitung war stets sehr klar", sagt Ramelow.

Die Erklärung der Bischöfe ist bislang eine rein politische, ohne rechtliche Folgen. Im Erzbistum Berlin und im Bistum Würzburg gab es allerdings bereits vorher einen Unvereinbarkeitsbeschluss: Wer extremistische Positionen vertritt, darf dort kein kirchliches Amt mehr bekleiden, zum Beispiel nicht mehr in den Pfarrgemeinderat gewählt werden. Im Bistum Münster will man die Pfarreiratssatzung bis 2025 ebenfalls anpassen.

Im Bistum Trier wurde jüngst der saarländische AfD-Landtagsabgeordnete Christoph Schaufert unter Berufung auf die Bischofserklärung aus dem Verwaltungsrat seiner Pfarrgemeinde ausgeschlossen. Allerdings war dies eine Einzelfallentscheidung, Schaufert legte dagegen Beschwerde ein, die wiederum abgewiesen wurde. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller fordert deshalb, dass eine Unvereinbarkeit von AfD-Mitgliedschaft und Kirchenamt in allen Diözesen klar rechtlich geregelt werden müsse.

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