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Katholiken:Laien wollen Missbrauch aufarbeiten

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) will stärker bei der Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der Kirche mitwirken. Die Frühjahrsvollversammlung des obersten katholischen Laiengremiums in Deutschland gab am Samstag den Startschuss für einen Prozess, der die Rolle katholischer Laien bei Missbrauchstaten in Pfarreien und Verbänden ausleuchten soll.

ZdK-Vizepräsident Wolfgang Klose kündigte an, dass ein neuer Arbeitskreis sich mit den "begünstigenden Strukturen von Missbrauch" beschäftigen, Betroffene zu Wort kommen lassen und Handlungsempfehlungen für Prävention formulieren will. Außerdem soll es die Aufarbeitungsprozesse in den Bistümern beobachten und Reformen einfordern.

Klose betonte, auch katholische Laien seien Täter geworden; manche Katholiken hätten weggeschaut, wenn sie von solchen Taten gehört hätten. Tatorte seien sowohl Sakristeien als auch Zeltlager gewesen. Auch die Berliner Historikerin Birgit Aschmann, Mitglied im ZdK-Hauptausschuss, betonte, zu den Missbrauchstaten gehörten immer auch viele Menschen, die wegschauten, den Opfern keinen Glauben schenkten und sie zum Schweigen brächten. Vor der Vollversammlung appellierten Vertreter der Betroffenen an das ZdK, die Stimme der Opfer stärker zu hören und "endlich Flagge zu zeigen für die Betroffenen". Kirchenkreise wollten vielfach einfach nicht wahrhaben, dass vermeintliche Lichtgestalten wie der Pfarrer oder Kaplan schuldig geworden seien.

Der Präsident des ZdK, Thomas Sternberg, will aus Altersgründen im Herbst nicht erneut für das Amt kandidieren. "Ich werde nächstes Jahr 70", sagte Sternberg. Er gehe "sehr stark" davon aus, dass eine Frau seine Nachfolge antreten werde.

© SZ vom 26.04.2021 / kna
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