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Katar:Diplomatisches Ringen am Golf

Nach der Isolierung Katars durch die Nachbarn folgt nun die Stunde der Verhandler. Saudi-Arabien stellt Forderungen - und die USA versuchen sich an Schadensbegrenzung.

Fan-Schals auf einem Markt in Doha zeigen das Portäts des Emirs von Katar, Tamim bin Hamad al-Thani.

(Foto: Karim Jaafar/AFP)

Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Jubeir hat konkrete Forderungen an Katar formuliert, um die Krise am Golf zu beenden. Das Emirat müsse seine Unterstützung für die Muslimbruderschaft und deren palästinensischen Ableger, die Hamas beenden, sagte al-Jubeir am Dienstag bei einem Besuch in Paris. Militärisches Vorgehen gegen das kleine Nachbarland schloss der Minister nicht aus, ebenso wenig wie sein Kollege aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Anwar Mohammed Qarqash. Al-Jubeir sagte auf eine entsprechende Frage, er hoffe nicht, dass es dazu komme. Qarqash bestritt allerdings, dass ein Regimewechsel Ziel des Embargos sei. Bei einem Treffen mit dem deutschen Außenminister in Berlin am Mittwoch betonte al-Jubeir, man betrachte die Katarer weiter als Freunde und Brüder.

Nach dem Treffen mit Sigmar Gabriel hieß es, al-Jubeir habe sich intern sehr zuversichtlich gegeben, dass der Konflikt schon in naher Zukunft für alle Beteiligten zufriedenstellend beendet werden könne. Welche Vorstellungen Saudi-Arabien von einer Lösung des Konfliktes hat, legte al-Jubeir am Vorabend in Paris dar. Katar wisse genau, was es tun müsse, um seine Beziehungen zu Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Ländern wiederherzustellen. Es müsse dazu "die Zusagen umsetzen, die es vor ein paar Jahren gemacht hat". Er bezog sich damit auf ein Dokument von 2014, das Katars Emir Scheich Tamim bin Hamad al-Thani nach einer ähnlichen Krise unterzeichnet hatte.

Al-Thani hatte damals zugestimmt, die Unterstützung für die Muslimbruderschaft einzustellen, und zwar nicht nur in Ägypten, sondern auch am Golf oder in Jemen. Die Monarchien am Golf sehen im unabhängigen politischen Islam die größte Bedrohung ihrer Herrschaft, anders als in quietistischen Salafisten, die sich aus der Politik heraushalten. Katar hat in den vergangenen Tagen offenbar bereits führende Mitglieder der Hamas aufgefordert, das Land zu verlassen. Die meisten Führungsfiguren der ägyptischen Muslimbruderschaft leben heute in der Türkei.

Zudem verlangten die drei Golfstaaten damals, dass Katar seine Unterstützung für eine Vielzahl von Medien einstellt, deren Berichterstattung sie als feindlich empfanden. Dies ging weit über den Sender Al Jazeera hinaus und betraf Fernsehkanäle mit Sitz in der Türkei und Online-Medien, die sich an ein westliches Publikum richteten. Zudem forderten sie, Katar dürfe nicht länger Bürgern anderer Golfstaaten seine Staatsangehörigkeit verleihen. Doha hatte Islamisten eingebürgert, die in der Region erheblichen politischen Einfluss ausüben.

Al-Jubeir verurteilte auch Katars jüngste Politik gegenüber Iran. Länder, die sich mit Teheran abgäben, täten dies "auf eigene Gefahr". Katars Emir hatte dem iranischen Präsidenten Hassan Rohani zur Wiederwahl gratuliert und Iran - laut Katar in von Hackern gefälschten Äußerungen - als "islamische Großmacht" bezeichnet, ohne die es keine Lösungen der Konflikte in der Region geben werde.

Ermittler des amerikanischen FBI, die den mutmaßlichen Hacker-Angriff auf die amtliche Nachrichtenagentur QNA untersuchen, vermuten aufgrund der bislang gesammelten Hinweise, dass russische Hacker für den Angriff verantwortlich sein könnten. Die kolportierten Äußerungen des Emirs hatten das Zerwürfnis mit den Nachbarstaaten befeuert. Der Kreml dementierte, dass Russen Katars Nachrichtenagentur gehackt hätten, um damit eine Krise auf der arabischen Halbinsel zu provozieren. Es gebe "null Beweise" für die Vorwürfe, sagte Andrej Krutskich, Berater für Cybersicherheit von Präsident Wladimir Putin. In einem Telefonat mit dem Herrscher von Katar kritisierte Putin die Isolierung des Emirats.

Sollte das Ziel des Hacker-Angriffs gewesen sein, die US-Politik in der Region zu torpedieren, könnte Moskau einen Erfolg verbuchen - allerdings wegen der Tweets von Präsident Donald Trump. Auf seiner Nahostreise habe er betont, radikale Ideologien dürfen nicht länger finanziert werden, schrieb Trump. Da hätten die arabischen "Führer" auf Katar gedeutet. Mit seinen Nachrichten auf Twitter schlug sich Trump vollumfänglich auf die Seite Riads.

Das Außenministerium, das Pentagon und der Präsident selbst bemühten sich am Mittwoch um Schadenbegrenzung. Trump diente sich dem Emir von Katar in einem Telefongespräch als diplomatischer Vermittler an. Wenn nötig, würde er ein Treffen der zerstrittenen Parteien in Washington initiieren. Der Konflikt mit Katar ist für die USA heikel, nahe der Hauptstadt Doha befindet sich der größte Militärstützpunkt der USA in der Region, er dient als Kommandozentrale im Kampf gegen den IS.