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Katar:Arabische Direktflug-Diplomatie

Erste Zeichen der Entspannung: Die Nationalmannschaften Saudi-Arabiens und Bahrains flogen direkt ins Nachbaremirat Katar zum Golf-Cup. Seit der Blockade von 2017 ist der Flugverkehr eingestellt.

Über der Arabischen Halbinsel fliegen Maschinen seit zweieinhalb Jahren Schleifen, Zickzack und Umwege. Als Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten im Juni 2017 eine Blockade gegen das Emirat Katar verhängten, kappten sie alle Land- und Seewege - sowie die Luftanbindungen. Die Länder warfen dem reichen Zwergstaat unter anderem zu enge Beziehungen zu Iran vor. Die teils absurden Folgen zeigen sich etwa auf der Strecke Doha-Manama: Früher brauchte man von der katarischen in die bahrainische Hauptstadt zwanzig Minuten, oft kamen die Stewardessen nicht dazu, Getränke auszugeben. Seit der Blockade müssen die Piloten in dem als Vermittler tätigen Kuwait zwischenlanden - die Reise dauert so vier Stunden.

Auf diese Umwege wollten Saudi-Arabien und Bahrain nun überraschend verzichten. Am Montag flogen deren Fußball-Nationalmannschaften mit einem gecharteten Privatflugzeug nach Doha, der erste offizielle Direktflug seit zweieinhalb Jahren. Nur die Emirate vermieden es, Signale der Entspannung zu senden - und flogen lieber einmal komplett über den Persischen Golf, an Katar vorbei nach Kuwait und von dort zurück nach Doha.

Die Teilnahme der Blockadenationen am Golf-Cup überraschte nicht nur den Gastgeber Katar. Erst sagte Saudi-Arabien viel zu spät zu, dann folgten Bahrain und die Emirate - also wurde das Fußballturnier zwei Tage nach hinten verschoben, sodass an diesem Dienstag das erste Spiel Katar gegen Irak (1:2) stattfand. Experten glauben, dass Riad auf Druck der USA reagiert, die immer wieder eine Lockerung der Blockade fordern. In Katar befindet sich die größte US-Militärbasis im Nahen Osten.

Am Montag landete auch das Flugzeug eines engen Verbündeten in Doha. Katars Emir Tamim bin Hamad Al Thani empfing den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, der nach der Blockade zum wichtigsten Partner wurde. Ankara schickte in jenem Sommer Tausende Tonnen Lebensmittel. Nun hilft Katar der Türkei in der Lirakrise mit milliardenschweren Investitionen.

© SZ vom 27.11.2019

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