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Katalonien:Streikende blockieren Straßen

Nur wenige Anhänger folgen in Katalonien dem Aufruf zum Generalstreik. Aber bei einer Demonstration in Barcelona gegen den in Madrid geführten Separatistenprozess ist die Teilnahme deutlich größer.

Die Aufrufe von Verfechtern der Unabhängigkeit Kataloniens zu einem Generalstreik aus Protest gegen einen Separatistenprozess vor dem Obersten Gericht Spaniens ist am Donnerstag nur schwach befolgt worden. Anders verhielt es sich mit einer Großkundgebung in Barcelona am Abend: Aus allen Ecken der Industrie- und Tourismusregion reisten Demonstranten an. Schon im Herbst hatten Aufrufe zu Solidaritätsstreiks mit den inhaftierten Politikern und Aktivisten nur ein geringes Echo gefunden. Doch bei Kundgebungen konnten stets Hunderttausende mobilisiert werden, so zuletzt am Samstag. In Madrid wurde unterdessen die Befragung der zwölf Angeklagten vor dem Obersten Gericht fortgesetzt.

Tausende Schüler und Studenten ziehen durch die Innenstadt von Barcelona

Zwar haben kleinere Gruppen militanter Demonstranten im Raum Barcelona ein Dutzend Straßen blockiert, doch konnte die Polizei nach kurzer Zeit wieder für freie Fahrt sorgen. An mehreren Stellen hatten sie Barrikaden errichtet und Reifen in Brand gesetzt. In Barcelona war der Betrieb der Metro nur geringfügig eingeschränkt, doch fuhr nur ein Drittel der Vorortzüge. Die meisten Geschäfte im Stadtgebiet hatten geöffnet. Wohl fanden sich tagsüber Tausende Schüler und Studenten zu einem Demonstrationszug durch das Zentrum ein. Daran nahmen auch LGTB-Aktivisten teil, die statt der Estelada, der katalanischen Flagge mit einem blauen Dreieck und weißen Stern als Symbol der Unabhängigkeitsbewegung, die Regenbogenfahne mit dem blauen Dreieck schwenkten. Ein Sprecher der Gruppe verwahrte sich gegen den Vorwurf, dass es sich um eine nationalistische Kundgebung handle: Es seien alle gesellschaftlichen Gruppen vertreten, die nicht der Protest gegen den Madrider Prozess vereine, sondern auch ihr Bekenntnis zu den Werten der Europäischen Union. Am Rande des Demonstrationszugs kam es allerdings zu Rangeleien zwischen vermummten Demonstranten und der Polizei, die mehrere von ihnen festnahm.

Sprecher sowohl der separatistischen Gruppen als auch der Parteien, die die Einheit Spaniens verteidigen, nahmen in den Medien für sich in Anspruch, "europäische Werte" zu verteidigen. Gemeinsam war ihnen auch, dass sie die Gegenseite des Nationalismus' bezichtigten, des spanischen beziehungsweise des katalanischen. In Straßeninterviews der lokalen Sender kamen auch Demonstranten zu Wort, die betonten, dass sie keineswegs für die Abspaltung Kataloniens von Spanien seien, aber gegen den Prozess in Madrid protestierten. Bei den Regionalwahlen 2017 hatten die Separatisten nur 47 Prozent der Wähler hinter sich gebracht. In Madrid beharrten weiterhin alle Angeklagten darauf, dass die von ihnen initiierten Aktionen stets friedlich verlaufen seien. Jordi Sànchez, Vorsitzender der Katalanischen Nationalversammlung, eines Dachverbands der Separatisten, wies den Vorwurf zurück, er habe Demonstranten zur Blockade einer Polizeiaktion und zur Beschädigung von Polizeiwagen aufgewiegelt.