Katalonien Sackgasse

Die Führung in Barcelona sollte ihre Optionen kennen. Sie hat drei.

Von Thomas Urban

Vor genau einem Jahr haben die Einwohner Kataloniens ein neues Regionalparlament gewählt. Nun protestieren in Barcelona wieder Katalanen gegen Madrid. An sie und ihre Unterstützer im Ausland die Botschaft: Ja, unter Franco wurde die katalanische Kultur unterdrückt, ihre Aktivisten wurden blutig verfolgt. Ja, der spanische Finanzausgleich zwischen den Regionen belastet Katalonien offenkundig übermäßig. Ja, die spanische Justiz überzieht völlig, wenn sie gewählte Politiker wie Mafiabosse behandelt. Auch gegen die spanische Monarchie gäbe es viel einzuwenden.

Aber Franco ist seit 43 Jahren tot. Das Katalanische ist Amtssprache. Und natürlich muss ein Staat den Bruch der Verfassung sanktionieren. Das wichtigste Argument aber gegen die Unabhängigkeit: Ihre Verfechter haben weniger als die Hälfte der eigenen Bevölkerung hinter sich. Die 47 Prozent bei der Wahl vor einem Jahr haben ihnen zwar eine knappe Mehrheit der Sitze im Regionalparlament eingebracht, aber keine Legitimität, ihren Kurs gegen den Willen der Mehrheit fortzuführen.

Die Führung in Barcelona manövriert sich immer tiefer in eine Sackgasse hinein - zum Schaden der ganzen Region. Drei Dinge kann sie machen: den Finanzausgleich neu verhandeln; eine Begnadigung der inhaftierten Aktivisten erreichen, wenn sich diese von dem nicht mehrheitsfähigen Unabhängigkeitsprojekt verabschieden; schließlich: Verbündete für die Einführung der Republik in ganz Spanien suchen. Mehr allerdings geht nicht.