Karneval und Fasnacht:Narr und Närrin

Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer wird Zielscheibe eines schlechten Büttenwitzes. Dann macht sie selber einen - und die Empörung ist groß.

Von Stefan Braun

Es soll Menschen geben, die den Karneval in Köln und die Fasnacht in Stockach großartig finden. In diesem Jahr könnte es indes passieren, dass mancher die Blödeleien nicht mehr ganz so lustig findet. Mittendrin im Spaßspektakel ist CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. Bei ihr könnte es heißen: Mittendrin ist manchmal auch daneben.

In Köln spießte der Komiker Bernd Stelter ihren Namen auf. "Die Frau heißt tatsächlich Annegret Kramp-Karrenbauer", rief er in der Karnevalssitzung. "Wie konnte das denn passieren?" Prompt stürmte eine Besucherin die Bühne und erklärte: "Männernamen sind immer toll. Frauennamen sind immer scheiße. Doppelnamen sind Doppelscheiße." Aus war's mit dem Gelächter.

Tage später griff Kramp-Karrenbauer beim Narrengericht in Stockach selbst zum Kalauer. Ja, Frauen müssten sich heute selbst behaupten, das aber liege an den Männern: "Guckt euch doch mal die Männer von heute an!" In Berlin seien die von der Latte-macchiato-Fraktion dabei, Toiletten fürs dritte Geschlecht einzuführen. "Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen." Im Publikum war Johlen; außerhalb des Saales aber brandete Empörung auf bei jenen, die für Gleichberechtigung der Geschlechter kämpfen. SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil etwa findet den AKK-Kalauer gar nicht lustig: "Solche Äußerungen - auch an Karneval - sind absolut respektlos." Bleibt eine Frage: Wieso nur kann man auf all das nicht verzichten?

© SZ vom 04.03.2019
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