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Karneval:Spaß beiseite

Eine Absage des Faschings ist nur folgerichtig in Corona-Zeiten - und nicht für jeden ein Grund zur Traurigkeit.

Von Josef Kelnberger

Wie ein Karnevalsscherz klingt es, wenn die Karnevalisten die Abschaffung des Karnevals fordern. Nüchtern betrachtet ist es aber nur vernünftig, was die ranghöchsten Narren von Aachen, Bonn, Köln und Düsseldorf der nordrhein-westfälischen Landesregierung vorschlagen: Der Straßen- und der Sitzungskarneval sollen wegen Corona-Gefahr in dieser Session in NRW abgesagt werden.

Was nicht zu kontrollierende Menschenmassen anrichten können, hat das Beispiel einer Kleinstadt in South Dakota gezeigt, wo ein Treffen von 460 000 Motorradfreaks nach Schätzung von Virologen 260 000 Corona-Infektionen verursachte. Ob rheinische Karnevalisten über die Superspreader-Eigenschaften von US-Bikern verfügen, wissen wohl nicht einmal renommierte deutsche Virologen, aber: sicher ist sicher. Es hat darüber hinaus eigennützige Motive, wenn die Karnevalsfunktionäre nach staatlichen Verboten rufen. Sie fürchten einen Imageschaden durch ungehemmt feiernde Jecken. Und sie wollen Rechtssicherheit, um möglichst aus Verträgen mit Musikern, Technikern und sonstigem Personal zu kommen. Vielen droht die Pleite.

Muss man die Absage des Massenkarnevals bedauern? Für die einen ist er die schönste Zeit des Jahres, für die anderen ein Besäufnis, das mit allerlei Belästigungen für den Rest der Menschheit verbunden ist - genau wie das Münchner Oktoberfest. Auch dessen Absage hat nicht nur Trauer und Bestürzung verursacht.

© SZ vom 19.09.2020

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