Karlsruhe stärkt Adoptionsrecht für homosexuelle Paare:Die Union blockiert

Lesezeit: 3 min

Bruns und Rotax sind sich einig, dass gleichgeschlechtliche Paare bald das Recht erhalten werden, gemeinsam Kinder zu adoptieren. Dies sei "eigentlich ein Selbstgänger", so Rotax, eine schnelle Regelung daher ein "Ruhmesblatt". Wie schnell oder langsam es tatsächlich geht, ist nun vor allem eine politische Frage.

Denn bislang blockieren die Unionsparteien jedwede Annäherung der Lebenspartnerschaften an die Ehe - ganz gleich, ob es um das Adoptionsrecht oder steuerliche Fragen geht. Erst entsprechende Verfassungsgerichtsurteile konnten die Regierung in Berlin bislang zum Handeln bewegen. "Das ist ein nicht nachvollziehbarer Umgang mit dem Rechtsstaat", kritisiert Bruns.

Ähnlich beurteilen die Oppositionsparteien den Umgang der Regierung von Kanzlerin Angela Merkel mit der Homo-Ehe und das heutige Urteil. Bei der rechtlichen Gleichstellung von Homosexuellen verhalte sich die schwarz-gelbe Bundesregierung "wie ein störrischer Esel", sagte Ansgar Dittmar, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft der Lesben und Schwulen in der SPD (Schwusos). SPD-Politiker Johannes Kahrs sprach von einer "schallenden Ohrfeige" für Kanzlerin Merkel.

Die Linken-Abgeordnete Barbara Höll bezeichnete es als "peinlich", dass die Bundesregierung "mittels höchstrichterlicher Rechtsprechung immer wieder aufgefordert werden muss, lesbische und schwule Partnerschaften der Ehe gleichzustellen". Der Grüne Volker Beck sprach von einer "Niederlage der homophoben Politik der Merkel-Regierung" - und will den Bundestag noch vor der Neuwahl im Herbst über das Adoptionsrecht abstimmen lassen, wie er der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte.

"Die volle Adoption muss der nächste Schritt sein"

Selbst der liberale Koalitionspartner macht deutlich, dass er die Linie der Union in Fragen der Homosexuellen-Gleichstellung nicht teilt. Es sei "bedauerlich, dass wir solche gesellschaftlichen Ungerechtigkeiten durch das Bundesverfassungsgericht zurechtrücken lassen müssen", erklärte der FDP-Bundestagsabgeordnete Patrick Meinhardt.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) bezeichnete das Urteil als "historischen Schritt", mit dem die "Regenbogenfamilien" in Deutschland auf ein "umfassendes sicheres rechtliches Fundament" gestellt würden und verlangte: "Die volle Adoption muss der nächste Schritt sein."

Sollte es politisch keine schnelle Lösung geben, muss sich wohl wieder das Bundesverfassungsgericht mit der Frage auseinandersetzen. Nach Bruns' Informationen gibt es bereits einen Fall in Berlin, wo zwei Frauen mit einem Pflegekind darüber nachdenken, ihren Adoptionswunsch bis nach Karlsruhe zu tragen. Der zuständige Familienrichter könnte sich durch das Urteil zur Sukzessivadoption in einem solchen Schritt bestärkt fühlen.

Rotax zufolge könnte ein besonders mutiger Familienrichter sich aber vielleicht sogar schon jetzt dazu durchringen, homosexuellen Lebenspartnern einfach eine gemeinschaftliche Adoption zu erlauben. Denn gerade kleine Kinder hätten ein anderes Zeitempfinden - bei ihnen könne es kindeswohlwidrig sein, auf lange politische Entscheidungsprozesse oder ein Verfassungsgerichtsurteil zu warten.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB