Für historische Verdienste um die europäische Einigung wird der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, mit dem Karlspreis 2026 ausgezeichnet. Mit dem ehemaligen italienischen Regierungschef ehre man eine Persönlichkeit, „die zielgerichtet und mit unerschütterlicher Entschlossenheit Großes für Europa geleistet hat“, begründete das Karlspreis-Direktorium seine Entscheidung.
Draghi sei „Wissenschaftler und Manager“, erklärte der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, Armin Laschet, am Samstag in Aachen. „Er hat Europäische Visionen entwickelt.“ Insbesondere hob das Direktorium den nach ihm benannten Draghi-Report von 2024 hervor, in dem der Italiener sich mit der Wettbewerbsfähigkeit Europas auseinandersetze. Draghi hatte darin gemahnt, dass die Europäische Union dringend innovativer werden müsse, wenn sie nicht den Anschluss an konkurrierende Wirtschaftsmächte wie die USA und China verlieren wolle.
Das Karlspreis-Direktorium schließt sich dieser Einschätzung an: „Die Lage ist dramatisch“, schrieb es in seiner Begründung. „Europa droht zum Spielball anderer Mächte zu werden.“ Deshalb müsse nun gehandelt werden: „Wir fordern die Europäische Kommission und europäischen Staats- und Regierungschefs auf, jetzt den Draghi-Report umzusetzen“, so das Karlspreis-Direktorium weiter.
Draghi bedankte sich für die Auszeichnung. „Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat – vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde“, sagte der 78-Jährige in einer eingespielten Videobotschaft während der Verkündung des diesjährigen Preisträgers in Aachen. Um die Europäische Union zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. „Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch.“
Der Internationale Karlspreis zu Aachen gilt als wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Er wird traditionell am Himmelfahrtstag verliehen, dieses Jahr am 14. Mai. Seit vergangenem Jahr ist der Karlspreis mit einem Preisgeld von einer Million Euro verbunden, gestiftet von einem Aachener Ehepaar. Dieses Geld soll proeuropäischen Projekten zugutekommen.
Zu den ersten Preisträgern gehörten Bundeskanzler Konrad Adenauer (1954) und der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill (1955). Im vergangenen Jahr ging der Preis an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Der letzte Italiener, der den Preis erhielt, war 2009 der Friedensvermittler und Gründer der katholischen Gemeinschaft Sant’Egidio, Andrea Riccardi.
