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Kaperung der "Hansa Stavanger":Bangen um entführte Deutsche

Das Drama um die von Piraten verschleppten Seeleute der Hansa Stavanger spitzt sich zu - offenbar wurden drei Deutsche auf das Festland gebracht.

Nach der Freigabe des von somalischen Piraten gekaperten deutschen Frachtschiffs MS Victoria bangen jetzt die Angehörigen der Hansa Stavanger-Besatzung um das Schicksal der Seeleute: Laut Spiegel online sollen die Piraten drei der fünf entführten Deutschen aufs Festland verschleppt haben.

Das von Piraten entführte Hamburger Containerschiff Hansa Stavanger. Die Deutschen, die von Piraten zusammen mit anderen Seeleuten festgehalten werden, warten weiter auf ihre Freilassung.

(Foto: Foto: dpa)

Der Krisenstab bemüht sich weiter mit Hochdruck um eine Freilassung, wie der Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin sagte. Eigentümer des Schiffes mit 24 Seeleuten an Bord, darunter fünf Deutschen, ist die Reederei Leonhardt & Blumberg.

Laut Spiegel online will die Ehefrau des Kapitäns der Hansa Stavanger, der seit mehr als 100 Tagen festgehalten wird, Leonhardt & Blumberg wegen unterlassener Hilfeleistung anzeigen.

"Es liegt in der Hand der Reederei, die Geiselnahme zu beenden", sagte die Ehefrau. Das Unternehmen feilsche extrem hart um das Lösegeld und bewege sich nicht mehr. Firmenchef Frank Leonhardt wollte sich zu den Verhandlungen nicht äußern.

Einer der Deutschen berichtete in den vergangenen Tagen außerdem, dass die Piraten nach mindestens drei gescheiterten Verhandlungsrunden zunehmend nervös geworden seien und den Druck auf den Reeder deutlich anzögen.

Angeblich verschleppten die Piraten einen russischen Offizier sowie drei der Deutschen aufs Festland. Mehr als eine Stunde von der somalischen Hafenstadt Haradhere entfernt, vor der das Schiff liegt, sollen die vier Seeleute nun sein. Das Auswärtige Amt wollte sich zu dem Bericht nicht äußern.

Kritik am Reeder auch vom BKA

Auch unter Experten des Bundeskriminalamts (BKA) regt sich Kritik an der harten Verhandlungsart des Hamburger Reeders Leonhardt. Ein hochrangiger Sicherheitsexperte sagte Spiegel online, abseits der vielen Schwierigkeiten beim Verhandeln mit den Piraten agiere der Reeder "sehr hartleibig".

Ende April hatte die Regierung wegen Sicherheitsbedenken einen Kampfeinsatz der Anti-Terroreinheit GSG-9 zur Befreiung der Hansa Stavanger abgebrochen. Die Geheimoperation einer 200 Mann starken Spezialeinheit wurde wegen zu hoher Risiken für das Leben der 24 Geiseln und der Polizisten eingestellt.

Erleichterung herrschte dagegen am Wochenende bei der niedersächsischen Reederei Intersee aus Haren an der Ems: Die Anfang Mai von somalischen Freibeutern im Golf von Aden gekaperte MS Victoria ist wieder frei. "Ich kann bestätigen, dass sich das Schiff nicht mehr in der Hand von Piraten befindet", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin.

© AP/dpa/sueddeutsche.de/gdo/af
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