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Bundestagswahl:Söder: Bin zu Kanzlerkandidatur bereit

Klausurtagung Unionsfraktion

In der K-Frage noch keinen Schritt weiter: Armin Laschet (CDU) und Markus Söder (CSU).

(Foto: Michael Kappeler/dpa)

Auch Armin Laschet betont am Sonntag seinen Willen, antreten zu wollen. Wer das Rennen macht, wollen die Chefs von CDU und CSU "zeitnah" entscheiden.

Von Stefan Braun, Boris Herrmann und Robert Roßmann, Berlin

Die Suche nach einem Kanzlerkandidaten der Union ist zu einem offenen Duell geworden. Die Parteivorsitzenden von CDU und CSU, Armin Laschet und Markus Söder, haben erstmals öffentlich ihre Bereitschaft erklärt, die Kanzlerkandidatur zu übernehmen. Das teilten sie am Sonntag gemeinsam am Rande einer Klausur der Spitze der Unionsfraktion in Berlin mit. CDU-Chef Laschet sagte: "Wir haben unsere Bereitschaft erklärt, für die Kanzlerkandidatur anzutreten." CSU-Chef Söder sagte, er und Laschet hätten in einem "offenen und freundschaftlichen Gespräch" festgestellt, "dass beide geeignet und beide bereit sind". Das sei aber noch kein "abschließendes Gespräch" gewesen.

Sowohl Laschet als auch Söder betonten, die Entscheidung einvernehmlich und zeitnah treffen zu wollen. "Unser Ziel ist es, in dieser Lage, in der das Land ist, mit einer Kanzlerin, die aus dem Amt geht, so viel Einigkeit wie möglich zwischen CDU und CSU zu leisten, denn es geht um viel", sagte Laschet. Söder ergänzte: "Wir werden das gemeinsam schultern."

Der bayerische Ministerpräsident machte seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur allerdings von einer Bedingung abhängig: vom Ruf der größeren Schwesterpartei. "Wenn die CDU bereit wäre, mich zu unterstützen, wäre ich bereit. Wenn die CDU es nicht will, bleibt ohne Groll eine gute Zusammenarbeit", sagte er nach Angaben von Teilnehmern in einer internen Aussprache während der Klausurtagung. Die über Monate diskutierte Frage, ob Söder will, ist damit beantwortet. Jetzt geht es nur noch darum, ob er darf. Damit läuft im Rennen um die Kanzlerkandidatur alles auf einen Showdown zwischen ihm und Laschet hinaus, dessen Bereitschaft nun auch erstmals offiziell dokumentiert ist.

Laschet sagte den Abgeordneten laut Teilnehmerkreisen: "Markus und ich sind im Gespräch." Es gebe nun zwei potenzielle Kandidaten. "Die SPD hat keinen, der es kann, wir haben zwei, die es können."

Laschet habe es leider härter erwischt, sagte Merkel

An der Fraktionsklausur nahm auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teil. Sie soll dabei ihre in einer Talkshow geäußerte Kritik an Laschets Corona-Politik als Ministerpräsident in Nordrhein-Westfalen relativiert haben. Leider habe ihr Äußerung in der Öffentlichkeit Laschet härter erwischt als andere, sagte Merkel laut Teilnehmern. Dabei hätten sich andere weniger an die Absprachen gehalten als Laschet. Die Kanzlerin soll hier explizit Bayern genannt haben. Das konnte man durchaus als Parteinahme für den CDU-Chef interpretieren.

Immerhin in einem Punkt scheint zwischen CDU und CSU inzwischen große Einigkeit zu herrschen: Die Kanzlerkandidatenfrage soll schnell entschieden werden, um weiteren Imageschaden von der Union abzuwenden. Zu klären wäre allerdings noch, was genau "schnell" bedeutet. CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte zum Auftakt der Klausurtagung: "Die Zeit ist reif, dass wir in den nächsten zwei Wochen die Entscheidungen treffen." Das Laschet-Lager drängt aber offenbar auf eine noch zügigere Einigung binnen einer Woche, nicht zuletzt um der angekündigten Kandidatenkür der Grünen in einer Woche zuvorzukommen.

Nach Ansicht von Söder sollten sich CDU und CSU "spätestens" in zehn Tagen entschieden haben. "Ich denke, es ist in dieser Woche sogar möglich, eine Entscheidung gemeinschaftlich zu treffen", sagte der CSU-Chef am Sonntagabend im ZDF.

Dobrindt sagte, es sei "ein Ausdruck der Gemeinsamkeit von CDU und CSU, dass die Erklärung zur Bereitschaft einer Kandidatur im Kreis der Spitze unserer gemeinsamen Fraktion abgegeben wurde". Er bedanke sich für "den Respekt vor der Fraktion". Zugleich betonte Dobrindt das "natürliche Mitspracherecht" der Fraktion bei der Entscheidung - neben den Gremien der Partei.

Am Montag wird wieder getagt

Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus (CDU) sprach sich gegen eine Abstimmung über die Kanzlerkandidatur in der Fraktion aus. Damit stellte sich er gegen einen Vorstoß von rund 50 CDU-Abgeordneten, die ein Mitspracherecht bei der Entscheidung eingefordert hatten. Zu der Gruppe gehören auch einige CDU-Abgeordnete, die sich bereits öffentlich für eine Kanzlerkandidatur Söders ausgesprochen hatten.

Brinkhaus warnte auch davor, Umfragen überzubewerten, was sich nicht als Unterstützung für den in Umfragen deutlich führenden Söder interpretieren lässt. Laschets Ansehen schwindet inzwischen auch in Nordrhein-Westfalen. Laut einer WDR-Umfrage sind dort nur noch 26 Prozent der Wahlberechtigten mit seiner Arbeit als Ministerpräsident zufrieden.

Laschet hatte zuletzt mehrfach deutlich gemacht, dass er wenig davon hält, es bei der Nominierung des Kanzlerkandidaten auf ein Fraktionsvotum ankommen zu lassen. Entschieden werde die Frage in den Führungsgremien von CDU und CSU. Die tagen am Montag wieder.

© SZ/skle
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