Süddeutsche Zeitung

Kanzlerkandidatur:Laschet geht angeschlagen ins Rennen

Der CDU-Parteichef setzt sich als Kanzlerkandidat durch. Die Unterstützer seines Kontrahenten Markus Söder kritisieren die Entscheidung allerdings umgehend.

Von Nico Fried

Der Machtkampf in der Union ist vorerst entschieden. Doch wie stabil der am Dienstag geschlossene Frieden sein wird, ist offen. Fest steht: Der CDU-Vorsitzende Armin Laschet ist nun Kanzlerkandidat. CSU-Chef Markus Söder akzeptierte die Entscheidung des Bundesvorstands der CDU und sicherte Laschet Unterstützung zu. Laschet dankte Söder für "einen guten und fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung" und sagte, der CSU-Vorsitzende werde im Wahlkampf eine "zentrale Rolle spielen".

Noch am Dienstag kamen allerdings von Unterstützern Söders kritische Stimmen: Thüringens CDU-Landeschef Christian Hirte wertete das Votum für Laschet als "Entscheidung gegen die CDU-Basis". Die Stimmung in Thüringen sowie in mehreren anderen Landesverbänden sei deutlich für Söder. Auch einzelne Bundestagsabgeordnete bedauerten die Entscheidung zugunsten Laschets.

Nachdem sich Unterstützer von Laschet und Söder vergangene Woche in der Sitzung der Bundestagsfraktion eine stundenlange Diskussion geliefert hatten, blieb es in der Sitzung am Dienstag ruhig. Fraktionschef Ralph Brinkhaus forderte für die Zukunft ein klares Verfahren, um solche Personalfragen zu entscheiden. "Wir tun gut daran, dass wir jetzt aus den letzten Wochen lernen", sagte Brinkhaus. Die Art, in der die Union ihren Kanzlerkandidaten bestimmt hatte, sei "durchaus ein sehr schwerer Prozess gewesen in der letzten Woche". Bundeskanzlerin Angela Merkel gratulierte Laschet sowohl über einen Tweet ihres Regierungssprechers als auch in der Fraktionssitzung.

Der CDU-Vorstand hatte in der Nacht zu Dienstag mehr als sechs Stunden lang getagt. Rund 40 Teilnehmer meldeten sich zu Wort. In der Abstimmung kurz nach Mitternacht sprachen sich 31 Vorstandsmitglieder für Laschet aus, neun für Söder, sechs enthielten sich. Zu den prominentesten Unterstützern Laschets gehörten Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Parteivize Jens Spahn und Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer. Laschets Vorgängerin im Parteivorsitz kritisierte Söder, weil er sich ihrer Meinung nach nicht an die Zusage gehalten habe, das Votum der CDU vom vergangenen Montag zu akzeptieren.

Prominente Fürsprecher Söders waren die Ministerpräsidenten aus dem Saarland und Sachsen-Anhalt, Tobias Hans und Reiner Haseloff, sowie Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Mehrere führende Christdemokraten wie die stellvertretenden Parteichefs Thomas Strobl aus Baden-Württemberg und Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz standen vor dem Dilemma, persönlich Laschet unterstützen zu wollen, obwohl sich in ihren Landesverbänden an der Basis breite Unterstützung für Söder abgezeichnet hatte.

Söder hatte zuvor angekündigt, das Votum der CDU zu akzeptieren. Am Dienstagmittag erklärte er dann in München: "Mein Wort, das ich gegeben habe, gilt." Er zog seine Kandidatur zurück und sagte: "Die Würfel sind gefallen. Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union." Er werde Laschet ohne Groll und mit voller Kraft unterstützen. CSU-Generalsekretär Markus Blume sagte, Laschet sei "der Kanzlerkandidat der Union", Söder "der Kandidat der Herzen".

Laschet nannte später in Berlin sein Verhältnis zu Söder "gut und vertrauensvoll". Die CSU und Söder hätten die Entscheidung der CDU am Montag möglich gemacht. Dies sei "ein großer Vertrauensbeweis" gewesen. Laschet kündigte an, man wolle "als Team" in den Wahlkampf ziehen. "Die CDU gewinnt diese Wahl nicht ohne die CSU - und umgekehrt."

Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz gratulierten Laschet und betonten auf Twitter, dass sie auf einen fairen Wahlkampf hofften. FDP-Generalsekretär Volker Wissing schrieb: "Egal, wie man zu Herrn Laschet stehen mag, aber wer so überlegt vorgeht, so viel aushält und so ein Stehvermögen beweist, dem kann man das Kanzlerpotential nicht ganz absprechen." Laut AfD-Chef Jörg Meuthen ist die Personalfrage für den Ausgang der Wahl irrelevant: Schon jetzt sei klar, "wer CDU wählt, bekommt am Ende tatsächlich Grün". Die Linken-Vorsitzende Susanne Hennig-Wellsow sagte, Laschet sei "der maximale Krampf-Kandidat einer krisengeschüttelten und von Korruption gebeutelten Union".

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.5270798
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.