Kandidatenkür der US-Republikaner Wettstreit der Unzulänglichen

Amerika steckt in einer schweren Wirtschaftskrise. Die Chancen der Republikaner, US-Präsident Obama abzulösen, müssten hervorragend sein. Doch die Kandidaten der Konservativen leisten sich eine Peinlichkeit nach der anderen. Übrig bleiben nur Mitt Romney und Newt Gingrich, aber die Parteibasis ist mit beiden unzufrieden.

Ein Kommentar von Reymer Klüver, Washington

Aus Sicht der Republikaner ist es eine geradezu tragische Situation. Nun haben sie schon die unverhofft große Chance, Barack Obama aus dem Weißen Haus zu vertreiben, nur vier Jahre nach dessen Triumph. Aber sie finden keinen Kandidaten, der eine echte konservative Alternative zum gefallenen Hoffnungsmann der Linken darstellen würde und gleichzeitig auch gegen ihn bestehen könnte.

Den Republikanern gehen die Hoffnungsträger aus (v.l.n.r.): der texanische Gouverneur Rick Perry; Mitt Romney, Ex-Gouverneur von Massachusetts; Herman Cain, Radiomoderator, Politiker und ehemaliger Fastfood-Ketten-Manager; Newt Gingrich, ehemaliger Sprecher des Repräsentantenhauses, bei einer gemeinsamen TV-Debatte in der vergangenen Woche.

(Foto: dpa)

Eine Handvoll Bewerber hatten sie schon enthusiastisch auf den Schild gehoben und schnell wieder fallen gelassen. Der großmäulige Milliardär Donald Trump und der ernsthafte, aber farblose Gouverneur Tim Pawlenty wurden zu Anfang aussortiert. Dann kam die rechte Heroine Michele Bachmann, die aber nicht einmal einfachste Fakten der amerikanischen Geschichte beherrschte. Der texanische Gouverneur Rick Perry blamierte und verhaspelte sich in Debattenauftritten und während einer Rede mit betrunkenem Kopf.

Herman Cain, der ehemalige Pizzaketten-Manager, faselte von einem Hochspannungszaun an der Grenze zu Mexiko und hat wenig Ahnung von den Vorgängen in Libyen. Seine intellektuelle und politische Unterbelichtung konnten ihm aber nicht so sehr schaden wie seine Frauengeschichten. Davon dringen jetzt so viele Details an die Öffentlichkeit, dass Cain seine Kandidatur "neu einschätzen" will, wie er formulierte. Mit anderen Worten: Die Kandidatur ist tot.

Zwei Routiniers mit Schwächen

Bleiben zwei Männer übrig. Mitt Romney, der ehemalige Gouverneur von Massachusetts, der sich schon vor vier Jahren vergeblich um die Kandidatur bemüht hatte, und Newt Gingrich, einst Sprecher des Repräsentantenhauses und Erzfeind Bill Clintons. Beide sind Routiniers, wirken respektabel. Aber beide haben entscheidende Schwächen, zumindest aus Sicht der Republikaner.

Romney wäre zwar der Kandidat, der gegen Obama bestehen könnte. Wenn die Wirtschaft in den USA weiter vor sich hin dümpelt und vor allem die Stimmung im Wahlvolk gedrückt bleibt, würde er gegen Obama sogar gewinnen. Aber die republikanische Basis vertraut ihm nicht. Sie hält ihn nicht für den echten Konservativen, der zu sein er vorgibt.

Tatsächlich hatte er in seiner Zeit als Gouverneur wesentlich liberalere Standpunkte vertreten, und vollzog einen radikalen konservativen Kurswechsel erst, als er sich zu seiner ersten Präsidentschaftskandidatur entschlossen hatte. Deswegen würde die Parteibasis lieber einen anderen Kandidaten sehen.

Langer Wahlkampf der Republikaner hilft Obama

Gingrich, seit Jahrzehnten einer der Chefideologen der Partei, könnte die Stimmen jener konservativen Klientel gewinnen, die bisher auf die Freak-Kandidaten wie Bachmann oder Cain gesetzt hatten. Offen aber bleibt, ob er im eigentlichen Präsidentschaftswahlkampf bestehen wird. In Umfragen liegt er - anders als Romney - deutlich hinter Obama.

Gingrich hat zwei elementare Schwächen: seine Vergangenheit und seinen Charakter. Er ist bereits zum dritten Mal verheiratet und pflegte lange ein außereheliches Verhältnis. Das schätzen viele Konservative ganz und gar nicht. Zudem entfernte sich Gingrich, stets vor Ideen sprühend, immer wieder von der Parteiorthodoxie. Das macht ihn in den Augen der Konservativen ebenfalls verdächtig. Vor allem aber hat der Mann sich in der Vergangenheit allzu oft selbst nicht im Griff gehabt und sogar seine Parteifreunde immer wieder wissen lassen, dass er sich für den klügsten Kopf in der Runde hält. Auch das kommt nicht gut an.

Das republikanische Präsidentschaftsrennen wird also auf ein Duell zweier unzulänglicher Kandidaten hinauslaufen. Romney hatte gehofft, durch rasche Siege bei den ersten Vorwahlen Anfang Januar alles klarmachen zu können. Das wird ihm nicht gelingen, wenn die Umfragen nicht täuschen. Der Zweikampf wird sich hinziehen. Je länger das geht, desto besser dürfte es für Obama sei. Die Herausforderer entlarven ihre Schwächen dann gegenseitig.