Dem Anschein nach hat die spanische Regierung das Problem im Hafen von Arguineguín auf Gran Canaria in den Griff bekommen. Dort mussten im November an die 2000 Geflüchtete und Migranten unter unzureichenden hygienischen Bedingungen bis zu zwei Wochen auf dem bloßen Asphalt ausharren. Die Bilder vom "Kai der Schande", wie ihn lokale Politiker nannten, gingen um die Welt. Dieses Erstaufnahmelager, eigentlich nur für 400 Menschen ausgelegt, wurde geräumt.
Doch die Schwierigkeit, für die auf den Kanaren ankommenden Menschen eine würdige Unterbringung zu gewährleisten, wurde damit offenbar nur verlagert. Kritiker sagen: Das Problem wurde vor der Öffentlichkeit versteckt. Denn mittlerweile werden die Angekommenen in eine vom Militär errichtete Zeltstadt gut 60 Kilometer weiter nördlich gebracht.
Der Ort heißt Barranco Seco, es gab dort bereits vor Jahren ein Internierungszentrum für Migranten, das allerdings wegen Baufälligkeit geschlossen wurde. Nun hausen die Menschen, etwa die Hälfte sind Marokkaner, außerdem Algerier, Mauretanier und Senegalesen, zu zwanzigst pro Zelt, ohne Licht und ohne Dusche. Das berichten spanische Medien, die mit einigen von ihnen sprechen konnten.
"Was gibt es zu verstecken?", fragte ein Parlamentarier
Dass Journalisten bis zu den Geflüchteten und Migranten vordringen, ist nicht vorgesehen. Das Lager wird bewacht, und Pressevertreter werden offenbar ebenso wenig vorgelassen wie Abgeordnete. "Mitarbeiter von Frontex und anderen EU-Behörden dürfen hinein, aber wir als gewählte Volksvertreter nicht", kritisierte Miguel Urbán Crespo, der für die Regierungspartei Unidas Podemos im Europaparlament sitzt und das Lager besuchen wollte. "Was gibt es zu verstecken?", fragte der Politiker und kündigte an, die EU auf diese neuerliche "Schande" aufmerksam machen zu wollen.
Inzwischen hat das spanische Migrationsministerium sechs weitere Lager errichtet, auf die die Menschen verteilt werden, die in den vergangenen Wochen mit Booten aus Afrika auf den Kanaren gelandet sind. In diesem Jahr sind etwa 20 000 Migranten auf den Inseln angekommen, gut zehnmal so viele wie im Vorjahr. Die Hilfsorganisation CEAR beobachtet, dass die Zahl der Ankommenden seit Anfang Dezember sinkt. Spanien hat inzwischen mit Abschiebungen begonnen: Mit regelmäßigen Flügen nach Marokko will man künftig etwa 80 Personen pro Woche ausfliegen.
