bedeckt München 17°
vgwortpixel

Kanada:Verdächtiger nach Schüssen in Moschee in Québec wegen Mordes angeklagt

Gedenkveranstaltung für Opfer des Moschee-Attentats in Québec

In Montreal gedenken Menschen der Opfer des Anschlags.

(Foto: REUTERS)
  • Ein 27-jähriger Mann ist wegen des Attentats auf eine Moschee im kanadischen Québec angeklagt worden. Er muss sich wegen sechsfachen Mordes und fünffachen Mordversuchs verantworten.
  • Der Politikstudent soll am Sonntag beim Abendgebet das Feuer auf die Besucher eines islamischen Kulturzentrums eröffnet haben.
  • Ein zweiter Mann steht nicht mehr in Verdacht - er wurde aus dem Gewahrsam entlassen und gilt nun als Zeuge.

Der mutmaßliche Attentäter von Québec, der in einer Moschee sechs Menschen erschossen und mehrere weitere verletzt haben soll, muss sich wegen sechsfachen Mordes und fünffachen versuchten Mordes vor Gericht verantworten. Das teilte ein Sprecher der Provinzregierung am Montag mit. Die Anklage könnte ausgeweitet werden: Der Verdächtige werde weiter vernommen, hieß es von offizieller Seite, möglich sei auch eine Anklage wegen "Terrorismus'" und Gefährdung der nationalen Sicherheit.

Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um den 27 Jahre alten Alexandre B. aus einem Vorort Québecs. Er studierte an der Laval University Politikwissenschaft - der Campus der Uni liegt nur wenige hundert Meter von der Moschee entfernt. B. war vor der Bluttat nicht polizeibekannt. Ihm wird vorgeworfen, am Sonntag während des Abendgebets das Feuer auf die Besucher des Islamischen Kulturzentrums eröffnet zu haben. Sechs Männer zwischen 39 und 60 Jahren starben. Fünf weitere wurden schwer verletzt, zwei der fünf Patienten schweben nach Krankenhausangaben in Lebensgefahr.

B. floh nach den Schüssen in seinem Auto. Er konnte etwa 20 Kilometer von der Moschee entfernt festgenommen werden. Zuvor hatte er selbst die Polizei angerufen, um über seine Tat zu sprechen.

Wie aus einem Helfer ein Verdächtiger wurde

Ein weiterer Verdächtiger, der nach der Attacke am Sonntagabend vorübergehend festgenommen worden war, wurde wieder auf freien Fuß gesetzt und wird in dem Fall nur noch als Zeuge behandelt. Der Zeitung La Presse schilderte Mohamed Belkhadir, wie es zu seiner Festnahme gekommen war: Demnach leistete er einem verletzten Freund Erste Hilfe, als sich ihm ein Mann mit einer Waffe genähert habe. Er habe nicht gewusst, ob es sich um den Täter oder einen Polizisten handele und sei davongelaufen, so Belkhadir. Daraufhin hätten ihn die Beamten festgenommen. Er mache der Polizei jedoch keine Vorwürfe, sie habe in der Situation nicht anders handeln können. Er sei sehr freundlich behandelt worden.

Kanadas Premier Justin Trudeau hat die Bluttat am Montag als "Terroranschlag auf Muslime" bezeichnet. Von den 765 000 Einwohnern Québecs identifizieren sich etwa 6700 als Muslime. Landesweit machen Muslime 3,2 Prozent der Bevölkerung aus und stellen damit nach Christen die größte Glaubensgemeinschaft.

© SZ.de/dpa/Reuters/AFP/jobr/ewid

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite