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Kanada:Sechs Tote bei Angriff auf Moschee in Québec

  • Unbekannte haben eine Moschee im kanadischen Québec angegriffen.
  • Zwei Verdächtige wurden der Polizei zufolge festgenommen.
  • Premier Trudeau bezeichnete die Bluttat als "Terroranschlag auf Muslime".

Entsetzen herrscht in Kanada, nachdem Attentäter am Sonntagabend sechs Menschen in einer Moschee in der Stadt Québec erschossen und acht verletzt haben. Zwei maskierte Schützen eröffneten das Feuer während des Abendgebets in der Moschee im islamischen Kulturzentrum CCIQ in Sainte-Foy, in dem sich Männer, Frauen und Kinder befanden.

Die Polizei war kurz vor acht Uhr abends Ortszeit alarmiert worden. Die Täter wurden später festgenommen, einer von beiden nach einer Verfolgungsjagd. Es ist noch unklar, ob nach weiteren Tätern gesucht wird, aber laut der Polizei ist die Lage bei der Moschee unter Kontrolle.

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau nannte die Gewalttat "einen terroristischen Angriff auf Muslime in einem Zentrum des Gebets und der Zuflucht". Ein Augenzeuge, der anonym bleiben will, berichtete dem kanadischen Rundfunk CBC, die zwei Todesschützen hätten Französisch mit dem Akzent von Québec gesprochen. Sie hätten zu schießen begonnen und dabei "Allahu akbar!" gerufen - eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht.

Die Kugeln hätten betende Menschen getroffen. In der Moschee seien auch Kinder gewesen, zum Beispiel ein Dreijähriger mit seinem Vater. Die Kinder und Frauen sollen sich aber im oberen Stockwerk aufgehalten haben. "Ein Schuss ging direkt über meinem Kopf hinweg", erzählte der Augenzeuge.

Anti-Muslimen-Pamphlete kursierten zuvor im selben Viertel

Dieselbe Moschee war im vergangenen Juni während des Fastenmonats Ramadan Schauplatz einer makabren Beleidigung geworden. Unbekannte hatten einen als Geschenk eingepackten Schweinekopf vor dem Eingang mit einer Karte hinterlassen, auf der "Guten Appetit" stand. Drei Wochen später zirkulierten Anti-Muslime-Pamphlete im selben Viertel.

Premierminister Trudeau erklärte, die muslimischen Kanadier "sind ein wichtiger Teil unseres nationalen Gefüges, und diese sinnlosen Taten haben keinen Platz in unseren Gemeinden, Städten und unserem Land".

Auch die Regierung von Québec nannte den brutalen Überfall "einen terroristischen Angriff". Über die Hintergründe der Täter ist indes in der Öffentlichkeit noch nichts bekannt geworden. Die Schießerei hat sich nur einen Tag nach einem Tweet von Premierminister Justin Trudeau ereignet, in dem er sich bereit erklärte, jene muslimischen Flüchtlinge aufzunehmen, die von der neue US-Regierung unter Präsident Donald Trump abgewiesen wurden. Im vergangenen Jahr öffnete Kanada die Tore für 25 000 Flüchtlinge aus Syrien.

In Kanada haben sich bislang kaum rassistische Gewaltakte ereignet, und es gibt auch keine rechtsextremen Politiker oder Rassenkrawalle. Das Fernsehen CBC in Montréal porträtierte aber kürzlich neonationalistische Gruppen in der Provinz Québec, die in jüngster Zeit aggressiver aufgetreten seien. Nach Informationen der Regierung von Québec haben Hassverbrechen in der Provinz zwischen 2013 und 2014 um fast 40 Prozent zugenommen, was auf ein Klima steigender Intoleranz hindeutet.

© SZ.de/dit
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