Kanada:Der Anti-Trump trifft auf das Original

Kanada: Justin Trudeau trifft heute in Washington zum ersten Mal auf Donald Trump. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein.

Justin Trudeau trifft heute in Washington zum ersten Mal auf Donald Trump. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein.

(Foto: AFP)
  • Kandas Premier Justin Trudeau trifft heute zum ersten Mal auf Donald Trump. Das Treffen wird mit Spannung erwartet.
  • Denn die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein: Beim Thema Flüchtlinge, Klimawandel und Handel vertreten sie gegensätzliche Positionen.
  • Doch der "Anti-Trump" hat sich bis jetzt mit Kritik zurück gehalten - Kanada ist auf den Nachbarn im Süden angewiesen. Auch zeigt Trudeaus bislang makelloses Image erste Risse.

Von Sacha Batthyany, Washington

Der eine gilt als Feminist und Darling der Linken. In seinem Wahlkampf 2015 hat er versprochen, sich für Toleranz einzusetzen und die Grenzen für Flüchtlinge zu öffnen. Der andere gilt als rechter Populist und Vertreter des kleinen (weißen) Mannes. In seinem Wahlkampf 2016 hat er versprochen, eine Mauer zu bauen. Kanadas Premierminister Justin Trudeau und US-Präsident Donald Trump könnten unterschiedlicher nicht sein. An diesem Montag treffen sie sich in Washington zum ersten Mal zu einem Gespräch.

Egal welches Thema man aus dem politischen Zettelkasten zieht, meist vertreten die beiden Herren entgegengesetzte Meinungen. Kuba? Für Trudeau war Fidel Castro ein "bemerkenswerter Leader", für Trump schlicht ein "Diktator". Der sogenannte Islamische Staat? Kanada zog seine Bomber von den Luftangriffen der US-geführten Allianz in Syrien und im Irak zurück. Trump hingegen sprach davon, der Terrormiliz IS "die Hölle heiß zu machen". Kanada werde unter seiner Führung die CO₂-Emissionen deutlich verringern, sagt Trudeau. Spricht Trump hingegen über Klimawandel, dann meint er oft das Wetter. Mal werde es eben wärmer, mal kälter, sagte er jüngst in einem Interview und fügte an: "Wir haben größere Probleme."

Trudeau hält sich mit Kritik zurück - denn Kanada braucht die USA

"Donald Trump trifft den Anti-Trump", so titeln jetzt amerikanische Medien. Trudeau hielt sich bislang mit Kritik an Trump zurück. Vielleicht auch deshalb, mutmaßen kanadische Journalisten, weil er es sich nicht leisten kann.

Kanadas Wirtschaft ist auf gute Handelsbeziehungen mit den USA angewiesen, 75 Prozent der Exporte gehen dorthin. Trump aber hat das Freihandelsabkommen zwischen den USA, Kanada und Mexiko (Nafta) mehrfach als "schlechtesten Deal in der Geschichte" bezeichnet. "Millionen amerikanische Arbeiter" würden darunter leiden, so Trump, der unlängst mehreren US-Firmen mit hohen Zöllen drohte, sollten sie ihre Werke nach Mexiko verlegen. Seine Nafta-Kritik zielt meist auf das Billiglohnland Mexiko, ein Rückzug der USA aus den Verträgen würde sich aber genauso auf Kanada auswirken.

Zumindest indirekt aber gab Trudeau, der "coole Superstar der Linken" (The Guardian) zu erkennen, dass er Trumps "America first"-Politik nicht sonderlich leiden kann. Als der US-Präsident per Dekret einen Einreisestopp für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern verhängte, meldete sich Trudeau auf Twitter: "An alle Menschen, die vor Krieg und Terror flüchten, egal welchen Glaubens: Kanada heißt euch willkommen."

Trudeaus Tweet wurde hunderttausendfach geteilt und zementierte seine Vision eines Landes, das die Vielfalt zelebriert. Die Liberale Partei Kanadas verpasse keine Möglichkeit, sich als Insel des Multikulturalismus zu positionieren in einer Welt, in der wieder vermehrt Zäune und Mauern gebaut werden, schrieb die Flüchtlingsorganisation Rainbow Refugee. Trudeau hat die ersten Flüchtlinge aus Syrien sogar gleich persönlich empfangen und dabei, zur Freude der Fernsehsender, gleich noch ein paar Tränen vergossen.

Das Image des kanadischen Premiers hat erste Risse bekommen

Doch bei aller Toleranz machen kanadische Nichtregierungsorganisationen darauf aufmerksam, dass Kanada mit den 38 000 Flüchtlingen, die es 2016 aufnahm, im internationalen Vergleich weit zurückliegt. Zudem würden Flüchtlinge, die erst in den USA Asyl suchten und danach weiter nach Kanada zögen, aufgrund eines Abkommens wieder in die Vereinigten Staaten abgeschoben. "Von wegen: Alle sind willkommen!", schrieb Rainbow Refugee.

Der Glanz Trudeaus sei etwas matt geworden, schrieb auch der Toronto Star, nachdem publik wurde, dass der Premierminister über Neujahr im Haus des Millionärs Karim Aga Khan IV. weilte. Das könne zu Interessenkonflikten führen, so Kritiker, da die kanadische Regierung die Aga-Khan-Stiftung mit Millionenbeträgen subventioniert.

Bei allen Unterschieden gebe es aber auch Gemeinsamkeiten zwischen Trudeau und Trump, so der Toronto Star: Beide wüssten, wie man aus sich eine Marke mache und "wie man mit den Medien spielt". Jeder auf seine Weise.

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