Arbeit:Süße Sache

Lesezeit: 2 min

Arbeit: Wer wäre nicht gerne Tester von Süßwarenr? Ein kanadisches Unternehmen hat nun eine Stelle ausgeschrieben. Auch Fünfjährige dürfen sich bewerben.

Wer wäre nicht gerne Tester von Süßwarenr? Ein kanadisches Unternehmen hat nun eine Stelle ausgeschrieben. Auch Fünfjährige dürfen sich bewerben.

(Foto: Imago/Imaginechina-Tuchon)

Es gibt auch noch gute Nachrichten am Arbeitsmarkt: Ein kanadisches Unternehmen sucht einen "Chief Candy Officer".

Von Benedikt Peters

Die Stimmung am Arbeitsmarkt könnte, vorsichtig gesprochen, ein wenig besser sein. Da sind die Piloten, die mit Streik drohen; die Verkäufer, die nach all dem Applaus in der Pandemie noch immer auf bessere Arbeitsbedingungen warten; die Chemikerinnen, die sich fragen, ob ihre Betriebe im Winter reihenweise heruntergefahren werden. Manch einer mag da an Flucht denken, und falls dem so ist, dann kommt diese Anzeige womöglich wie gerufen: Das kanadische Familienunternehmen Candy Funhouse sucht, so ist es auf dem einschlägigen Portal Linkedin zu lesen, einen Angestellten für eine, nun ja, ganz süße Position. Dotiert ist sie mit umgerechnet etwa 76 500 Euro Jahresgehalt und kann auch von zu Hause aus erledigt werden.

Es handelt sich um den Posten des sogenannten CCO, des Chief Candy Officer. Gesucht wird also der oberste Süßigkeitenverkoster des Unternehmens. Kernaufgaben: die etwa 3500 verschiedenen Gummibärchen, Lutscher und Kaubonbons regelmäßig auf ihren Geschmack testen. Entscheiden, welche neuen Süßigkeiten ins Sortiment kommen, also etwa Kaugummi-Zigarette A oder doch Tutti-Frutti-Burger B. Drittens: Die herausragenden Süßigkeiten im Sortiment mit dem Chief-Candy-Officer-Qualitätssiegel versehen.

Die Bewerbungsfrist läuft noch bis Ende August; es muss allerdings mit großer Konkurrenz gerechnet werden. Mehrere Tausend Bewerbungen seien schon eingegangen, sagt der Chef Jamal Hejazi, der die in Toronto ansässige Firma mit drei Geschwistern führt. Was die Sache für Interessenten nicht leichter macht: Schon Fünfjährige dürfen sich auf den Job bewerben. Schließlich kenne die Liebe zu Süßigkeiten keine Altersgrenzen, schreibt Hejazi bei Linkedin. Bei minderjährigen Bewerbern müssten allerdings die Eltern zustimmen.

Ein wahrhaft einzigartiger Job sei das, behauptet Candy Funhouse - und nimmt damit den Mund dann vielleicht doch etwas zu voll. Nachfrage beim Konkurrenten Mars Wrigley, der eine Fabrik im niederrheinischen Viersen unterhält: "Mein Titel ist zwar nicht Chief Candy Officer, aber mein Arbeitstag startet damit, Schokolade zu probieren. Ich beurteile Aussehen, Geruch und Geschmack", schreibt eine Mitarbeiterin. Bei Mars nennt man den Job "Specialist Food Safety", man könnte auch sagen: Schokoladentesterin.

Überhaupt, wer ein wenig zwischen den Zeilen liest, den beschleichen Zweifel, ob Candy Funhouse nun wirklich mit einem Traumberuf aufwartet. Die Firma bereite sich derzeit auf das Halloween-Geschäft vor, sagte ihr Chef Hejazi dem Nachrichtensender CNN, das sei die umsatzstärkste Zeit im Jahr. Die Süßigkeitenlager seien aber erst zu 40 Prozent gefüllt. Das klingt nach stressigen Wochen, gerade für den Chief Candy Officer. Außerdem: Angesichts von mehr als 3500 regelmäßig zu testenden Produkten mag man sich doch ein wenig um dessen Gesundheit sorgen. Oder, etwas flapsig formuliert, darum, dass dem Süßigkeitenverkoster irgendwann die sauren Colafläschchen und Gummibärchen-Pizzas zu den Ohren herauskommen. Der letzte Satz in der Stellenanzeige beruhigt da eher nicht: "Und ja, der Job beinhaltet einen umfassenden zahnärztlichen Behandlungsplan."

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Abo kündigen
  • Kontakt und Impressum
  • AGB