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Kanada:Brutaler Angriff auf Moschee

Gedenken im Kerzenschein: Vor der Moschee versammelten sich Menschen und trauerten um die Opfer.

(Foto: Alice Chiche/AFP)

In Québec haben zwei Attentäter in einem Gebetshaus mindestens sechs Menschen getötet. Premier Trudeau betont, dass Muslime ein wichtiger Teil der nationalen Identität seien.

Bei einem Attentat auf eine Moschee in der ostkanadischen Stadt Québec sind sechs Menschen getötet und 19 verletzt worden. Fünf der Verletzten schwebten am Montag weiterhin in Lebensgefahr. Zwei maskierte Männer waren am Sonntagabend während des Abendgebets in das "Centre culturel islamique de Québec" gestürmt und hatten das Feuer eröffnet.

Wie eine Polizeisprecherin mitteilte, sind die Toten zwischen 35 und 65 Jahre alt. Zum Zeitpunkt des Attentats seien etwa 50 Menschen in dem Gebetshaus gewesen. "Wir verurteilen diesen Terroranschlag auf Muslime in einem Zentrum des Gebetes und der Zuflucht", sagte Kanadas Premierminister Justin Trudeau. Solch "sinnlose Taten" hätten keinen Platz "in unseren Gemeinden, Städten und unserem Land". "Vielfalt ist unsere Stärke", betonte er. "Muslimische Kanadier" seien ein wichtiger Teil der "nationalen Identität". Trudeau versprach, die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

Es gab zunächst zwei Festnahmen, ein jüngerer Mann wurde in der Nähe des Tatorts, ein anderer nach einer Verfolgungsjagd etwa 20 Kilometer von der Moschee entfernt festgenommen. Im Fahrzeug des Flüchtigen wurde laut einem Bericht des Senders CBC mindestens eine Waffe gefunden. Im Haus des Festgenommenen habe es eine Wohnungsdurchsuchung gegeben. Später teilte die Polizei mit, nur einer der beiden Männer werde als Verdächtiger behandelt, der zweite diene als Zeuge des Anschlags. Über mögliche Motive und Identitäten gab die Polizei zunächst keinerlei Auskunft.

Ein Augenzeuge berichtete der kanadischen Tageszeitung Globe and Mail, dass er sich in der Moschee befunden habe, als das Attentat geschah. "Das war jemand, der sich mit Waffen auskannte, weil er sehr gelassen war. Er tötete und tötete. Es war wirklich grauenhaft", sagte der Mann. Er habe auf dem Bauch im vorderen Teil der Moschee gelegen, als der Attentäter seine Waffe abfeuerte. Dann habe er aufgehört und sei geflüchtet. "Ich bin schockiert. Wir dachten, dass wir in einer sicheren Stadt seien, einem sicheren Land, aber unglücklicherweise ist das nicht der Fall", so der Augenzeuge.

Es ist nicht der nicht der erste Vorfall, der Moscheen in Kanada betrifft: So hatten Unbekannte im Juni einen Schweinekopf vor die Tür des Islamischen Kulturzentrums in Québec mit der Nachricht "Guten Appetit" gelegt. Auch andere Moscheen im Land wurden bereits mit rassistischem Graffiti bemalt.

Nationalistische und islamfeindliche Organisationen in Québec distanzierten sich von dem Attentat. "Gewalt ist für uns keine Lösung", betonten die Gruppierung "Fédération des Québécois de souche" und die Organisation "Atalante Québec". Auch die islamfeindliche Vereinigung "La Meute" verurteilte "jegliche Gewaltanwendung". Rechte Gruppen hatten Trudeaus Einwanderungspolitik wiederholt kritisiert.

"Der Angriff zielt ins Herz einer Nation, die für religiöse Toleranz und Vielfalt bekannt ist."

Der Regierungschef der überwiegend französischsprachigen Provinz Québec, Philippe Couillard, sagte: "Die muslimische Gemeinde war das Ziel dieses mörderischen Angriffs." Er kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen für Moscheen in der gleichnamigen Stadt und in der Millionenmetropole Montréal zu erhöhen. Zugleich rief Couillard dazu auf, jeglicher Gewalt geschlossen entgegenzutreten und sich mit Muslimen zu solidarisieren. Nach dem Anschlag versammelten sich Demonstranten zu einer spontanen Kundgebung vor der Moschee. "Vielen Dank für Hunderte Beileidsbekundungen, die uns von überall her erreicht haben", schrieb der Moschee-Vorstand auf Facebook.

Auch international sorgte die Attacke für Entsetzen. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte die Attacke eine "verachtenswerte Tat". Das "grausame Attentat auf betende Muslime" verurteilte auch Bundesaußenminister Sigmar Gabriel. "Der Angriff zielt ins Herz einer Nation, die für religiöse Toleranz und Vielfalt bekannt ist", sagte er. Frankreichs Präsident François Hollande sprach von einem Anschlag auf "den Geist des Friedens und der Offenheit" in Québec. Auch Papst Franziskus reagierte auf den Anschlag mit Bestürzung. Er bete für die Opfer, betonte er. Christen und Muslime müssten "in diesen Momenten alle im Gebet vereint" sein. Nach seiner Morgenmesse empfing der Papst am Montag den Erzbischof von Québec, Kardinal Gerald Cyprien Lacroix, im Vatikan.

Regierungschef Trudeau hatte am Samstag als Reaktion auf das von US-Präsident Donald Trump verhängte Einreiseverbot gegen Bürger mehrerer muslimischer Länder eine direkte Botschaft an Flüchtlinge gerichtet: "An diejenigen, die vor Verfolgung, Terror und Krieg fliehen, die Kanadier werden euch willkommen heißen, unabhängig von eurem Glauben", hatte er betont.

© SZ vom 31.01.2017
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