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Kampf um Syriens Wirtschaftsmetropole Aleppo:Konvoi der UN-Beobachter beschossen

Auch die Umstände sind weit günstiger. Anders als in Homs und Damaskus halten die Kämpfer weite Gebiete des Hinterlands von Aleppo, jenen gerade 50 Kilometer breiten Streifen bis zur türkischen Grenze. Am Montagmorgen nahmen die Kämpfer nach eigenen Angaben den Kontrollposten Anadan nördlich der Stadt ein. Ein Video im Internet, dessen Echtheit nicht zu überprüfen ist, soll die letzten Schüsse im Morgengrauen zeigen.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte vergangene Woche nach dem überraschenden Vorstoß der Rebellen nach Damaskus gesagt, die Dynamik zugunsten der Aufständischen sei nicht mehr umzukehren. Sie kontrollierten immer mehr Territorium und dies werde schließlich dazu führen, dass eine Sicherheitszone, ein "safe haven", in Syrien entstehen könne, der als "Basis für weitere Operationen der Opposition" dienen werde. Eben dies, eine Pufferzone von der türkischen Grenze bis tief ins syrische Kernland, haben die Aufständischen seit Monaten gefordert. Trotz fortgesetzter Angriffe der weit überlegenen Armee mit Hubschraubern bemühen sie sich deshalb verbissen, Assads Panzer von der Innenstadt Aleppos fernzuhalten.

Mehr als ein symbolischer Sieg wäre Aleppo ein strategischer Triumph. Es wäre Syriens Bengasi, denn so wie in Libyen die Rebellenhochburg im Osten als Rückzugsort und Aufmarschplatz, als Gegenentwurf zum Regime, aber auch als Anlaufstelle für internationale Hilfe gedient hatte, dürfte mit der Kontrolle über einen zusammenhängenden Landstrich durch die syrischen Rebellen die internationale Hilfe offensiver werden.

US-Verteidigungsminister Leon Panetta nannte den Einsatz schwerer Waffen durch die syrische Armee gegen die Aufständischen "Assads Sargnagel". Wie am Montagabend bekannt wurde, ist ein Konvoi des Chefs der UN-Beobachter von Panzern der Regierungstruppen am Sonntag beschossen worden. "Zum Glück gab es keine Verletzten", sagte UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Nur die Panzerung der UN-Fahrzeuge habe Schlimmeres verhindert.

Nachrichtenagenturen berichten, die Türkei sowie Saudi-Arabien und Katar hätten in der türkischen Stadt Adana ein geheimes Zentrum eingerichtet, um den Nachschub an Medikamenten, Geld und Waffen für die Rebellen zu koordinieren. Zwar sind Assads höchste Generäle nach wie vor loyal, doch blutet das Regime in den unteren Rängen aus: In der Nacht zu Montag flohen zwölf Offiziere in die Türkei. Zudem wandte sich der Geschäftsträger der Botschaft in London, Chalid al-Ajubi, nach Angaben des britischen Außenministeriums vom Regime ab.

© SZ vom 31.07.2012/mkoh
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