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Kampf um Syriens Metropole Aleppo:"Undenkbare Horrortaten"

Der Papst fordert ein Ende der Gewalt, Bundesaußenminister Westerwelle wirft Syriens-Staatschef Baschar al-Assad "verbrecherische Akte" vor, Frankreichs Präsident Hollande appelliert an China und Russland. Geändert haben die internationalen Reaktionen nichts: In Syrien kämpfen Aufständische und Regierungstruppen Berichten zufolge weiterhin erbittert um die Millionenstadt Aleppo.

Mit dem massiven Einsatz von Kampfhubschraubern und Artillerie versuchen syrische Regierungstruppen Berichten zufolge, die Entscheidung im Kampf gegen die Rebellen in der Millionenmetropole Aleppo zu erzwingen. Bislang aber offenbar ohne Erfolg. "Unsere Positionen sind unverändert", sagte der Rebellenkommandeur Abu Omar al-Halebi der Nachrichtenagentur dpa. Die Angriffe konzentrierten sich auf den Zugang zum südwestlichen Randbezirk Salaheddin, einer Hochburg der aufständischen Freien Syrischen Armee (FSA). Ein entscheidender Vorstoß sei aber bislang nicht gelungen, sagte Al-Halebi.

Schwere Kämpfe seien am Sonntag auch am nördlichen Rand von Aleppo aufgeflammt, berichtete die in London ansässige Organisation "Syrische Menschenrechtsbeobachter". Regimetruppen griffen demnach die FSA-Stellungen in den Stadtteilen Bab al-Hadid, Al-Sahara and Al-Arkub an. Die Rebellen zerstörten nach eigenen Angaben mehrere Panzer. Bilder, die die ausgebrannten Wracks zeigen sollen, tauchten im Internet auf. Von unabhängiger Seite ließen sich die Berichte wegen der Situation im Land erneut nicht bestätigen.

Die Schlacht um Aleppo, das wirtschaftliche Zentrum des Landes, gilt als bislang wichtigste Machtprobe für die Regierung. Die regierungstreue Zeitung Al-Watan schrieb, die Regierung habe einen "sehr schwierigen Einsatz" in Aleppo begonnen, um "die Bewohner aus den Händen der aus verschiedenen Teilen der Welt entsandten Terroristen" zu befreien. Nach Angaben eines AFP-Reporters kämpfte auf Seiten der Rebellen eine aus ausländischen Kämpfern gebildete sogenannte Brigade Vereinigter Mudschahedin.

Nach Darstellung der "Syrischen Menschenrechtsbeobachter" wurden am Samstag in Aleppo 17 Zivilisten, 13 Aufständische und eine ungenannte Anzahl Regierungssoldaten getötet. Der Vorsitzende des oppositionellen Syrischen Nationalrats (SNC), Abdel Baset Seida, warnte indessen vor einem möglichen Massaker der Regimekräfte in Aleppo. "Die internationale Gemeinschaft wird die Verantwortung dafür tragen, wenn es passiert", sagte der Exil-Politiker am späten Samstagabend auf einer Pressekonferenz in Abu Dhabi. Der Nationalrat fordert ein militärisches Eingreifen des Auslands.

Westerwelle: "Syrien hat mit Assad keine Zukunft."

Internationale Reaktionen beschränken sich am Wochenende jedoch weiterhin auf rhetorische Appelle. So warf Bundesaußenminister Guido Westerwelle Staatschef Baschar al-Assad "verbrecherische Akte" in Aleppo vor. Er forderte ihn in der Zeitung Bild am Sonntag auf, die Macht abzugeben. "Syrien hat mit Assad keine Zukunft. Assad muss gehen."

US-Präsidentschaftsbewerber Mitt Romney beschuldigte das Regime in Syrien am Sonntag, "undenkbare Horrortaten gegen das eigene Volk" zu begehen. Bei einem Treffen mit dem israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres in Jerusalem sprach Romney sich dafür aus, einen "Weg zu Frieden in Syrien" zu finden. Auch Peres äußerte Empörung über die große Brutalität des syrischen Regimes, das "auf seine eigenen Kinder schießt". Es müsse alles für eine Beruhigung der Lage unternommen werden.

Auch Papst Benedikt XVI. forderte zum wiederholten Male ein Ende der Gewalt in Syrien. Mit Sorge verfolge er weiterhin die wachsende Eskalation des Konflikts mit Toten und Verletzten auch unter der Zivilbevölkerung, klagte Benedikt am Sonntag nach dem Angelus-Gebet in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gondolfo.

Der internationale Syrien-Sondergesandte Kofi Annan rief am Samstagabend von Genf aus Regierungstruppen und Rebellen zur Einhaltung des humanitären Völkerrechts auf. Er fordere alle Konfliktparteien auf, jedes weitere Blutvergießen zu vermeiden.

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