Kampf gegen Terrormiliz IS Diese Waffen liefert Deutschland in den Irak

Unimogs, Sturmgewehre, Munition. Die Bundesrepublik will Kriegswerkzeug für 70 Millionen Euro an die Kurden liefern. Für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat, die in Videos mit deutschen Waffen hantiert.

Von Paul-Anton Krüger und Hans Leyendecker

Was die Bundesregierung den Truppen der kurdischen Regionalregierung im Irak an Waffen liefern will, soll ausreichen, um zunächst 4000 Soldaten auszurüsten, später dann 10 000 oder mehr. Die Gesamtstärke der Peschmerga wird auf 100 000 Mann geschätzt.

Die Lieferung im Gesamtwert von etwa 70 Millionen Euro umfasst militärische Ausrüstung wie Schutzwesten und Helme, aber auch Unimogs, Lastwagen und gepanzerte Fahrzeuge, zum Beispiel fünf Patrouillenfahrzeuge vom Typ Dingo 1 sowie Munition. Sie soll in drei Tranchen aufgeteilt werden, wobei vor jeder weiteren Lieferung der Bedarf überprüft werden kann. Damit soll verhindert werden, dass die Waffen in Depots verschwinden und später zu anderen Zwecken als dem Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) genutzt werden. Die erste Lieferung soll noch im September abgeschlossen sein.

Größter Posten sind je 8000 Sturmgewehre der Typen G3 und G36. Das G3 war von 1959 an die Standardwaffe der Bundeswehr, es gilt als robust und hat mit seinen Patronen vom Nato-Standard-Kaliber 7,62 Millimeter eine relativ hohe Feuerkraft. Die Bundeswehr hat noch Hunderttausende dieser Waffen in ihren Arsenalen, obwohl sie Ende der Neunzigerjahre durch das Nachfolgemodell G36 abgelöst wurde. Dieses ist wegen vieler Kunststoffbauteile leichter und verschießt Hartkernmunition vom kleineren Kaliber 5,56 Millimeter. Dazu kommen 40 Maschinengewehre des Typs MG3, das auch auf Fahrzeugen montiert werden kann und die gleiche Munition verschießt wie das G3.

Treffsichere Waffen mit einfacher Handhabung

Den größten Unterschied dürften allerdings die 30 Panzerabwehrwaffen vom Typ Milan machen, die zusammen mit 500 dazugehörigen Raketen geliefert werden. Die Abkürzung steht für die französische Bezeichnung Missile d'Infanterie léger antichar - leichte Panzerabwehrrakte der Infanterie. Das System war in den Siebzigerjahren von deutsch-französischen Gemeinschaftsunternehmen Euromissile entwickelt und gebaut worden, einer Tochter von MBB und dem damaligen Flugzeug- und Waffenkonzern Aerospatiale.

Mit einer allwetter- und nachttauglichen Optik visiert der Schütze das Ziel an, ein dünner Draht überträgt die Steuerbefehle an den Lenkflugkörper. Damit lassen sich gepanzerte Ziele auf Entfernungen zwischen 100 und 2000 Metern bekämpfen, begrenzt auch langsam und tief fliegende Hubschrauber und befestigte Stellungen. Zudem eignet sich die Optik zur Beobachtung und Aufklärung des Gefechtsfelds. Die Waffe gilt als treffsicher und ist in der Handhabung einfach zu erlernen.

Videos zeigen deutsche Waffen in IS-Besitz

Die Kämpfer des IS verfügen inzwischen über ein breit gefächertes Arsenal, darunter Kampfpanzer der Typen T-55 und T-72, Tausende zum Teil gepanzerte Humvee-Jeeps und andere Beutestücke. In Videos der Terroristen ist auch ein Waffendepot zu sehen, in dem alte Hot-Panzerabwehrraketen mit deutscher Beschriftung lagern. Die stammen ebenfalls von Euromissile und waren Ende der Siebzigerjahre in das damalige militärische Spannungsgebiet Syrien verkauft worden.

Hot und Milan galten als modernste Lenkwaffen und hätten eigentlich nach den früheren Spielregeln des deutschen Waffenexports an Syrien nicht verkauft werden dürfen. Es gibt Bilder, die Staatspräsident Hafis al-Assad bei der Inspektion einer mit den Panzerabwehrraketen aufgerüsteten syrischen Elitetruppe zeigen. Damals protestierte Israel gegen den Handel, und das deutsche MBB-Management wiegelte ab. Damals hieß es, die Panzer-Raketen seien reine Defensivwaffen, die nicht für eine Landnahme taugten.