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Kampf gegen Terrorgruppe:Irak meldet syrische Luftschläge gegen Isis

Die Regierung in Damaskus bestreitet es, doch Iraks Ministerpräsident Maliki sagt: Syrische Kampfflugzeuge haben Gebiete der islamistischen Isis-Kämpfer angegriffen. Er begrüße das.

  • Die irakische Regierung meldet, es habe Luftanschläge aus Syrien gegen Isis-Rebellen gegeben.
  • Damaskus weist entsprechende Berichte zurück.
  • Rebellen nehmen Mansurijat al-Dschabal kurz vor der Hauptstadt ein.
  • Britischer Außenminister unangekündigt im Irak eingetroffen.
  • Der Prozess zur Bildung einer neuen Regierung im Irak hat begonnen.

Maliki "begrüßt" Luftschläge aus Syrien

Der irakische Regierungschef Nuri al-Maliki hat im Gespräch mit der britischen BBC geäußert, dass syrische Kampfflugzeuge diese Woche Angriffe gegen islamistische Isis-Kämpfer geflogen hätten. Auf irakischem Gebiet, in der Nähe der Grenzstadt Al-Qaim, hätte es am Dienstag Luftschläge gegeben, sagte Maliki. Auch wenn Bagdad nicht darum gebeten habe, begrüße er solche Angriffe gegen die Extremistenorganisation Islamischer Staat im Irak und in Groß-Syrien (Isis), so der Regierungschef weiter.

Damaskus dementiert Meldungen

Arabische Medien hatten zuvor bereits berichtet, dass syrische Kampfflugzeuge den Ort Al-Qaim im syrisch-irakischen Grenzgebiet angegriffen hätten. Die syrische Regierung hat die Berichte allerdings zurückgewiesen. Diese Meldungen seien falsch und entbehrten jeder Grundlage, berichtete die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana unter Berufung auf informierte Kreise. Diese Berichte seien Teil einer Medienkampagne gegen Syrien, hieß es bei Sana weiter.

Was die Isis will

Der Irak droht wegen des Konflikts zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden in einzelne Regionen zu zerfallen, seit die radikalislamische Isis-Miliz im Land aktiv ist. Die Isis kämpft sowohl im Irak als auch in Syrien gegen die dortigen Regierungen. Die Organisation will die von ihr kontrollierten Gebiete über die Grenze hinweg verbinden und einen islamistischen Gottesstaat errichten. Syrische Al-Qaida-Kämpfer hätten sich an der Grenze zum Irak den Isis-Rebellen angeschlossen, berichtete die oppositionelle Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Damit stärke die Isis ihre Position auf beiden Seiten der Grenze.

Britischer Außenminister im Irak

Großbritanniens Außenminister William Hague ist zu einem unangekündigten Besuch in den Irak gereist. Dort beschwörte er der Nachrichtenagentur dpa zufolge den Zusammenhalt der verschiedenen Bevölkerungsgruppen. "Der irakische Staat ist existenziell bedroht", warnte Hague bei seiner Ankunft in Bagdad nach einer Mitteilung des britischen Außenministeriums. "Der wichtigste Faktor, der darüber entscheidet ob der Irak diese Herausforderung meistern kann, ist politische Einheit", betonte Hague.

Hague verurteilte das Vorgehen der Islamisten scharf. "Isis ist eine brutale terroristische Gruppe, die ein Gespenst nicht nur für dieses Land ist, sondern auch für den Nahen Osten und den islamischen Glauben", sagte Hague. Die Gruppe sei auch eine direkte Bedrohung für andere Länder der Region. Hague wird während seines Irak-Besuchs mit Regierungschef Nuri al-Maliki und dem Präsidenten der kurdischen Autonomieregion, Massud Barsani, sowie weiteren Politikern zusammenkommen.

Irak beginnt mit Regierungsbildung

Im Irak hat derweil der Prozess zur Bildung einer neuen Regierung begonnen: Das Präsidialamt setzte für kommenden Dienstag die erste Sitzung des Parlaments seit der Wahl im April an. Ministerpräsident Maliki hatte zuvor nach massivem internationalen Druck eine rasche Regierungsbildung zugesagt, allerdings die auch vom Westen verlangte Einbeziehung aller größeren Bevölkerungsgruppen abgelehnt.

Dem Schiiten Maliki wird vorgeworfen, insbesondere die sunnitische Minderheit zu marginalisieren. Durch Einberufung des Parlaments kann jetzt damit begonnen werden, eine Regierung auf Grundlage der Wahlergebnisse zu bilden. Malikis Schiiten-Bündnis gewann die meisten Sitze, benötigt aber die Unterstützung anderer schiitischer Gruppen sowie der Sunniten und der Kurden, um eine Regierung zu bilden.

© SZ.de/Reuters/AFP/dpa/ratz/uga/leja

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