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Kampf gegen Steuerhinterziehung:Im Schwitzkasten der Ermittler

Nordrhein-Westfalen wurde in den Wirtschaftskreisen, trotz der Behandlung des Fahnders Förster, "Volksrepublik" genannt. In Baden-Württemberg und Hessen waren die Fahnder zeitweise geschmeidiger. Die Schweiz und Liechtenstein galten unter den Fahndern als Länder, die den Schutz von Kriminellem zum Geschäftsmodell gemacht haben.

Die großen deutschen Bankenverfahren, die Mitte der neunziger Jahre auf Touren kamen, haben diesem Zweig der Finanzverwaltung Aufschwung gegeben. Die Zahl der Fahnder stieg erheblich. Am höchsten ist sie mit 630 Beamten in NRW. Bayern und Baden-Württemberg liegen mit etwa 330, beziehungsweise 320 Fahndern fast gleichauf. Im Jahr 1997 gab es bundesweit 23.500 Ermittlungen von Steuerfahndern, im Jahr 2000 waren es 48.638. Die letzte Statistik gibt es für 2008 (31.537 Fälle). 16.000 Freiheitsstrafen wurden da gegen Steuersünder verhängt.

Wer Fahnder ist, macht sich die Hände schmutzig. Sie kommen unangekündigt, meist im Morgengrauen und haben Handschellen dabei. Ihre Informanten sind oft Ehefrauen, deren Männer fremdgehen, Mitarbeiter, die sich vom Chef schikaniert fühlen.

Wer im Schwitzkasten der Ermittler ist, muss gute Nerven haben. Gern suchen sich Steuerfahnder auch Staatsanwaltschaften aus, mit denen sie gern zusammenarbeiten. Ein Grund findet sich leicht. Generell gilt: Sie lieben Strafverfolger, die Druck machen.

In großen Verfahren sehen sich Steuerfahnder oft einer Übermacht von hochbezahlten Anwälten gegenüber. Wenn ein junger Steuerfahnder eingeschüchtert werden soll, sagt ein alter Anwalt schon mal: "Sie wissen doch, dass Sie an einem Edeka-Fall arbeiten": Ende der Karriere bedeutet das im Fachjargon. So schlimm kommt es meistens nicht und mancher Steuerfahnder empfindet es als Abstieg, wenn er in die Kaste der Großbetriebsprüfer befördert wird.

Von Steuerhinterziehern und deren Helfern werden die Fahnder immer mehr als ernste Bedrohung gesehen. Fachblätter für Großanleger versorgen ihre Kundschaft gern mit Checklisten, in denen vor den raffinierten Frage- und Recherchetechniken der Steuerermittler gewarnt wird. Außer der Auflage nützen solche Tipps in der Regel wenig. Fahnder spotten dann über die "Hinterziehungsblätter".