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Kampf gegen Kindesmissbrauch:Bergmann geht, die Probleme bleiben

Anderthalb Jahre lang hat sich Christine Bergmann mit dem Leid der Opfer von Kindesmissbrauch beschäftigt. Ende des Monats scheidet sie aus dem Amt - und dringt darauf, dass ihre Arbeit weitergeführt werden soll. Doch Nachfolge und Ausgestaltung ihrer Stelle sind bislang offen. Dabei gehen bei ihr noch immer bis zu 60 Anrufe täglich ein.

Die unabhängige Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann, zieht zum Abschluss ihrer Arbeit eine gemischte Bilanz. Bei ihrer letzten Pressekonferenz drängte sie die Politik zum Handeln:"Die schönsten Empfehlungen nutzen nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden", mahnte Bergmann in Berlin. So gebe es nach wie vor Defizite bei Beratungen und Therapien für Opfer. Zudem seien die Missbrauchsfälle in vielen Institutionen noch nicht aufgearbeitet.

Vorschau: Christine Bergmann beendet Amtszeit als Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung

Die unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann (SPD), legte an diesem Dienstag in Berlin die Ergebnisse ihrer Arbeit vor.

(Foto: dapd)

Sie setzte sich vehement dafür ein, dass ihre Stelle weitergeführt wird: "Viele Betroffene leiden noch immer unter den Folgen des Missbrauchs und benötigen dringend Hilfe bei Therapie und Beratung", sagte sie. Ihre Arbeit sei nur der erste Schritt gewesen.

Bergmann scheidet zum Ende des Monats aus dem Amt. Sie hatte bereits im Mai ihren Abschlussbericht vorgelegt, in dem ihre Empfehlungen für den Runden Tisch zur Aufarbeitung des Kindesmissbrauchs zusammengefasst sind. Dazu gehören Vorschläge zur Übernahme von Therapiekosten und zur Zahlung von Entschädigungen. Der Runde Tisch wird am 30. November zum letzten Mal tagen und seinen eigenen Abschlussbericht der Bundesregierung vorlegen. Doch letztlich entscheidet die Politik, welche Vorschläge umgesetzt werden. "Betroffene müssen als Expertinnen und Experten in die kommenden politischen Entscheidungen einbezogen werden", forderte Bergmann

Bergmann war im März 2010 als unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs eingesetzt worden, nachdem zahlreiche Fälle von Missbrauch in Schulen, Sportvereinen und anderen öffentlichen Institutionen bekannt geworden waren. Bergmann schuf eine Anlaufstelle für Betroffene, um Missbrauchsfälle in Familie und Institutionen aufzuarbeiten. Außerdem sollte sie Vorschläge entwickeln, wie Opfern geholfen werden und wie Missbrauch in Zukunft verhindert werden kann.

Insgesamt gingen mehr als 22.000 Anrufe, Briefe und Mails bei Bergmann und ihren Mitarbeitern ein. Auf dieser Basis gab Bergmann ihre Empfehlungen. In einer Mitteilung schreibt die Missbrauchsbeauftragte, dass noch immer täglich 40 bis 60 Anrufe in der Anlaufstelle eingehen.

Die Bundesregierung hat zwar bereits signalisiert, die Stelle der unabhängigen Beauftragten und die telefonische Hotline für Missbrauchsopfer weiterführen zu wollen. Im SZ-Gespräch erklärte Bergmann, sie habe das Versprechen aus der Bundesregierung, dass es nach ihrer Amtszeit nahtlos weitergehe und eine unabhängige Nachfolgestelle geben werde.

Auch auf ihrer Pressekonferenz versuchte sie Befürchtungen zu zerstreuen, die Arbeit könne nach ihrem Weggang am 31. Oktober liegenbleiben. Doch wie die Stelle künftig ausgestaltet sein soll und wer Bergmann nachfolgen soll, darüber schweigt sich die Bundesregierung bislang aus.

© sueddeutsche.de/dpa/dapd/feko/hai
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