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Kampf gegen Kinderpornografie:"Zugang blockieren"

Familienministerin von der Leyen will die "explosionsartig" steigende Zahl der Websites mit kinderpornografischen Inhalten sperren. Zugleich wurde eine großangelegte Razzia beendet.

In einer der größten Aktionen gegen Besitzer und Händler von Kinderpornografie hat die Polizei bundesweit Durchsuchungen durchgeführt. Dabei stellte die Ermittlungsgruppe "Operation Himmel" des Landeskriminalamtes Berlin fest, dass bundesweit 12.750 Internetnutzer von 2006 an auf solches Datenmaterial zugegriffen haben, wie der Sprecher der leitenden Berliner Staatsanwaltschaft, Michael Grunwald, mitteilte.

"Solche Websites unverzüglich zu schließen", das fordert Familienministerin von der Leyen

(Foto: Foto: AP)

Gegen die Nutzer wurden Ermittlungen wegen des "Vorwurfs des Sichverschaffens kinderpornografischen Materials" eingeleitet. Allein 510 Verdächtige seien in Berlin angesiedelt. An der Aktion waren bundesweit mehr als 100 Staatsanwaltschaften beteiligt.

Von der Leyen: "Will einen Damm bauen"

Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat unterdessen angekündigt, die Verbreitung von Kinderpornografie im Internet gesetzlich unterbinden zu lassen. "Ich will einen Damm bauen gegen die Flut der Bilder, indem wir den Zugang für den Kunden blockieren", kündigte von der Leyen im Hamburger Abendblatt an.

Das Bundeskriminalamt erstelle Listen der kinderpornografischen Websites. Die Zugangsanbieter sollten gesetzlich verpflichtet werden, "solche Websites unverzüglich zu schließen", fügte von der Leyen hinzu. Die Ministerin kündigte an, dass für ihren Vorstoß eine Änderung des Telemediengesetzes angestrebt werde. Dafür gebe es "hohe Bereitschaft quer über alle Parteigrenzen hinweg".

"Kinderseelen und Kinderkörper zerfetzt"

Von der Leyen zeigte sich besorgt über die im Internet derzeit zugängliche Kinderpornografie. "Die Zahlen steigen explosionsartig, allein der Vertrieb von Bildern hat sich verdoppelt im vergangenen Jahr", erläuterte die Ministerin. Jedes dritte Opfer von Kinderpornografie sei jünger als drei Jahre. "Da werden durch brutale Vergewaltigungen Kinderseelen und Kinderkörper zerfetzt."

In Deutschland werden nach Schätzungen der Grünen etwa 300.000 Kinder sexuell missbraucht. Wie die Grünen-Bundestagsabgeordnete Ekin Deligöz am Mittwoch in Berlin unter Berufung auf UN-Schätzungen mitteilte, werden weltweit 1,8 Millionen Kinder zu Prostitution und Pornografie gezwungen. Nach offiziellen Angaben der Behörden wurden 2007 bundesweit 15.935 Kinder missbraucht.

Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung

In der kommenden Woche (25. bis 28. November) findet in der brasilianischen Millionen-Metropole Rio de Janeiro der dritte Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern und Heranwachsenden statt. Dabei sollen weltweit konkrete Ziele im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern festgelegt werden. Man müsse das Thema Kindesmissbrauch "präventiv" angehen, sagte Deligöz.

Insbesondere "Kinder im Grundschulalter" sind nach Angaben von Deligöz Opfer sexuellen Missbrauchs, wobei Jungen dreimal häufiger davon betroffen seien als Mädchen, sagte Deligöz. Etwa 95 Prozent der deutschen Sexualstraftäter seien Männer. Ein Schwerpunkt des Kongresses in Brasilien ist Kinderpornografie im Internet.

Die Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung, Mechtild Maurer, forderte für Deutschland länderübergreifend einheitliche Regelungen. Sie berichtete unter anderem, dass Sexualstraftäter ihren Wohnsitz häufig nach Berlin verlegten, weil die Taten dort aufgrund der großen Häufigkeit schneller verjährten.