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Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit in der EU:Hartz will sich wieder "nützlich machen"

Peter Hartz

Umstritten, aber noch immer aktiv: Peter Hartz will sich nun gegen Jugendarbeitslosigkeit in der EU einsetzen.

(Foto: Imago Stock&People)

Bei VW hat er viele Tausend Jobs gerettet, sein Nachname prägte die umstrittene Arbeitsmarktreform. Nun sucht Peter Hartz eine neue Aufgabe. Auf einem Kongress will er ein Konzept gegen Jugendarbeitslosigkeit in Europa vorstellen.

Von Thomas Öchsner, Berlin

Wer bei Google Peter Hartz eingibt, kommt auf viele Millionen Ergebnisse. Der Name des ehemaligen Managers, der einst mit der 4-Tage-Woche viele Tausend Jobs bei VW rettete und später als Leiter einer Regierungskommission für den damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder die Arbeitsmarktreformen entwickelte, wird so schnell nicht aus den Köpfen der Bürger verschwinden. Dass Hartz IV eine Chiffre für Armut geworden ist, berühre ihn, sagte Hartz Ende 2013 in einem Interview mit der SZ. Er wisse, dass er deshalb noch immer Menschen polarisiere.

Dies hält den 72-Jährigen aber nicht davon ab, sich weiter seinem Lieblingsthema zu widmen - dem Kampf gegen die Arbeitslosigkeit. Der Saarländer steht dabei schon länger in Kontakt mit Wissenschaftlern der französischen Denkfabrik "En Temps Réel". Gerade hat er mit anderen Fachleuten ein Buch mit dem Titel "Wege aus der Langzeitarbeitslosigkeit" veröffentlicht. Außerdem gab es ein informelles Treffen mit Frankreichs Präsidenten François Hollande. Prompt schlugen die Linken und Gewerkschaften in Frankreich Alarm, obwohl die Regierung in Paris dementieren ließ, Hartz als Berater engagiert zu haben.

Hartz jedenfalls will sich wieder "nützlich machen". In Deutschland kehrt er deshalb sogar vorübergehend auf die große Bühne zurück. In Saarbrücken hat er mit anderen Mitstreitern den nach eigenen Angaben "ersten europäischen Kongress" organisiert, der Lösungen für die Jugendarbeitslosigkeit in Europa erarbeiten soll.

Ausrichter ist die gemeinnützige Initiative Europatriates

Ausrichter ist die gemeinnützige Initiative Europatriates. Der Begriff ist hergeleitet von Expatriates. So werden Beschäftigte genannt, die von ihren Unternehmen für begrenzte Zeit ins Ausland geschickt werden. Die Europatriates, heißt in der Einladung zu dem Kongress vom 23. bis 25. Juni, "gehen in ein europäisches Partnerland, um dort einen Beruf zu lernen oder eine Beschäftigung aufzunehmen". Was in Deutschland zum Beispiel mit spanischen Jugendlichen bereits geschieht, soll also europaweit zu einem Programm werden.

Hinter der Initiative Europatriates steht die saarländische Stiftung SHS Foundation. Dort ist Hartz Mitglied im Kuratorium. Auf dem Kongress wird Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) reden, genauso wie der Chef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, und der Wirtschaftsweise Lars Feld. Schirmherr ist der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso.

Auch Hartz wird sprechen. Sein Thema: "Was ist aus den deutschen Arbeitsmarktreformen übertragbar in Europa? Das 6-Punkte-Konzept der Europatriates." Wie schon zu seiner Zeit als Reformer gibt es darin wieder typische Hartz-Begriffe wie den "Job-Floater" oder das "Ausbildungszeitwertpapier". Als Partner der Veranstaltung werden mehrere Universitäten genannt - und der alte Arbeitgeber von Hartz, Volkswagen.

© SZ vom 17.03.2014/sks

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