Kampf gegen IS:"Wir haben noch keine Strategie"

Obama plant nach eigenen Angaben eine "breitere regionale Allianz". Die New York Times zitiert einen Regierungsvertreter, wonach die sunnitischen Nachbarländer Jordanien, Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie die Türkei sich an der Militäraktion beteiligen sollen - die Details auszuverhandeln und die durchaus unterschiedlichen Interessen zu berücksichtigen, dürfte Kerrys Aufgabe sein.

Wie genau die Anti-IS-Strategie aussehen soll, ist noch unklar. "Wir haben noch keine Strategie", erklärte der US-Präsident. Damit reagierte er auf Medienberichte, in denen bereits mögliche Szenarien genannt wurden. Seit Montag sollen nach Angaben aus Regierungskreisen Aufklärungsflugzeuge über Syrien unterwegs sein, sie könnten mögliche Luftangriffe vorbereiten - im Bürgerkrieg mit seinen vielen Fronten ein durchaus risikoreiches Unterfangen, ganz zu schweigen von den völkerrechtlichen Fragen, die sich daraus ergeben.

Zugleich könnten Spezialeinheiten aus verschiedenen Ländern gezielt zum Einsatz kommen, darunter auch westliche Nationen. Großbritannien beispielsweise sei einer Operation gegenüber durchaus aufgeschlossen, seitdem sich Foleys Mörder als mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit als Brite entpuppte, so zumindest die Signale aus London. Australien lehnt ohnehin selten US-Bitten ab. Frankreich wiederum soll nach dem abgeblasenen Syrien-Einsatz vergangenes Jahr auf Zusicherungen pochen.

Fliegt Obama seine Zusage um die Ohren?

Andere Länder könnten humanitäre oder diplomatische Hilfe leisten, heißt es bei Foreign Policy, diese Rolle könnte auch Deutschland einnehmen.

Der mögliche Militäreinsatz dürfte auch beim Nato-Gipfel kommende Woche in Wales eine wichtige Rolle spielen. Es wird damit gerechnet, dass die USA bis dahin ihren Mitstreitern bereits Pläne für das weitere Vorgehen präsentiert haben.

Allerdings ist in der kommenden Woche auch der Kongress zurück aus der Sommerpause. Einige Abgeordnete haben bereits gefordert, über mögliche Luftschläge abstimmen zu wollen, was die US-Regierung im Zweifelsfall durchaus ausbremsen könnte. Als Obama im vergangenen Jahr nach dem mutmaßlichen Giftgaseinsatz der Assad-Regierung über eine Militärintervention nachdachte, hatte er die Zustimmung des Kongresses zur Bedingung gemacht. Diese Zusage könnte dem US-Präsidenten nun um die Ohren fliegen.

© SZ.de/jasch
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