Kampf gegen IS im Irak Amnesty warnt vor Menschenrechtsverletzungen im Kampf um Mossul

Kurdische Peschmerga-Kämpfer nahe der Stadt Basheqa unweit von Mossul.

(Foto: dpa)
  • Durch den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Mossul könnte es zu Menschenrechtsverletzungen kommen, fürchtet Amnesty International.
  • Sunnitischen Zivilisten im Irak könnten von schiitischen Milizen und Regierungstruppen für Taten des IS verantwortlich gemacht und misshandelt werden.
  • EU-Sicherheitskommissar King hält es für möglich, dass aus der IS-Hochburg Mossul gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen.

Angesichts der Großoffensive zur Rückeroberung der irakischen Stadt Mossul aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat warnt Amnesty International vor schweren Menschenrechtsverletzungen. Bei der Rückeroberung von Falludscha im Mai und Juni seien Tausende fliehende Zivilisten Opfer von Folter, willkürlicher Inhaftierung und außergerichtlichen Hinrichtungen geworden, heißt es in einem Bericht der Menschenrechtsorganisation, der auf Gesprächen unter anderem mit ehemaligen Gefangenen und Augenzeugen basiert.

"Nachdem sie den Schrecken des Krieges und der Tyrannei des IS entkommen sind, drohen sunnitischen Arabern im Irak brutale Vergeltungsschläge durch (vornehmlich schiitische) Milizen und Regierungstruppen. Sie werden für die Verbrechen des IS bestraft", sagte Philip Luther, Experte für die Region Naher Osten und Nordafrika bei Amnesty International.

Kriegsparteien in Syrien und Irak

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Rothalbmond-Gesellschaften in Genf riefen die Konfliktparteien auf, die in der Stadt lebenden Zivilisten zu schonen. "Es ist besonders wichtig, die Gesundheitseinrichtungen und deren Personal zu schützen", teilte das IKRK am Montagabend mit. Allen Bewohnern, die aus der Stadt fliehen wollten, sollte ein sicherer Korridor zur Verfügung stehen, forderte das Rote Kreuz. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks befinden sich allein mehr als eine halbe Million Kinder in der Stadt.

EU-Sicherheitskommissar befürchtet, IS-Kämpfer könnten nach Europa kommen

EU-Sicherheitskommissar Julian King sieht durch die Aktion auch mögliche negative Folgen für die Sicherheit in Europa. "Die Rückeroberung der nordirakischen IS-Hochburg Mossul kann dazu führen, dass gewaltbereite IS-Kämpfer nach Europa zurückkommen", sagte King der Zeitung Die Welt. Das sei eine sehr ernste Bedrohung. Allerdings gehe er nicht von einem "Massenexodus von IS-Kämpfern nach Europa" aus. Wichtig sei jetzt, durch geeignete Maßnahmen Terroristen immer weniger Handlungsmöglichkeiten zu geben und "insgesamt unsere Widerstandsfähigkeit gegen die terroristische Bedrohung zu erhöhen".

Ein Militärbündnis unter Führung der irakischen Armee hat am Montag eine Offensive auf die nordirakische Stadt begonnen, um die IS-Kämpfer aus ihrem wichtigsten Stützpunkt zu vertreiben. Nach Medienberichten stehen 30 000 Mann der Allianz 4000 IS-Kämpfern gegenüber. Irakische Streitkräfte und kurdische Peschmerga eroberten am ersten Tag nach Angaben von Kurden-Präsident Massud Barsani ein Gebiet von etwa 200 Quadratkilometern. Sollte die Offensive gegen die letzte IS-Bastion im Land erfolgreich verlaufen, wären die Dschihadisten im Irak militärisch weitestgehend besiegt.

Mossul Die Schergen des IS wissen, dass sie Mossul verlieren werden

Irak

Die Schergen des IS wissen, dass sie Mossul verlieren werden

Die irakische Stadt ist von strategischer Bedeutung. Um den Kampf in die Länge zu ziehen, setzt die Terrormiliz deshalb auf grausame Mittel: Massenerschießungen, Giftgas und menschliche Schutzschilde.   Von Paul-Anton Krüger