Krieg in Afghanistan Karsai: USA sprechen direkt mit Taliban

Die internationale Gemeinschaft fährt gegenüber den radikalislamischen Taliban eine neue Linie: Die UN werden künftig stärker zwischen den afghanischen Extremisten und dem Terrornetzwerk al-Qaida unterscheiden. Zugleich lässt Afghanistans Präsident Karsai verlauten, die USA hätten Gespräche mit den radikalislamischen Taliban aufgenommen.

Bislang galten die Taliban als Terroristen, mit denen der Westen nicht verhandeln wollte. Doch nun vollzieht die internationale Gemeinschaft eine Wendung: Erst strichen die UN die Taliban aus einer gemeinsamen Sanktionsliste mit dem Terrornetzwerk al-Qaida. Nun wird zudem erstmals von hoher Stelle bestätigt, dass die USA und andere Staaten direkte Gespräche mit den Taliban aufgenommen haben. Dass ein Frieden noch weit entfernt ist, zeigt allerdings ein Anschlag der Taliban auf eine Polizeistation in Kabul.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai ist schon lange ein Befürworter direkter Gespräche mit den Taliban - nun scheint auch die internationale Gemeinschaft seiner Linie zu folgen.

(Foto: AFP)

Die USA und andere ausländische Mächte befänden sich mit den Taliban in Vorgesprächen über ein mögliches Ende des Krieges in Afghanistan, sagte der Präsident des Landes, Hamid Karsai. "Es gibt Friedensgespräche mit den Taliban. Ausländisches Militär und besonders die Vereinigten Staaten selbst führen diese Verhandlungen", sagte Karsai dem britischen Guardian zufolge in einer Pressekonferenz in Kabul. Die US-Botschaft in Afghanistan wollte Karsais Aussage nicht kommentieren.

US-Verteidigungsminister Robert Gates hatte früher in diesem Monat angekündigt, dass es im Verlauf des Jahres Gespräche mit den Taliban geben könnte. Die afghanische Regierung selbst steht Karsai zufolge schon länger in Kontakt mit den Aufständischen. Der afghanische Präsident ist ein starker Befürworter von Friedensgesprächen mit den Taliban.

Karsais Aussage folgt einen Tag nach einem Entschluss des Weltsicherheitsrats, die Taliban zukünftig nicht mehr auf einer gemeinsamen Sanktionsliste mit der Terrorganisation al-Qaida zu führen. Zwölf Jahre nach Einführung einer ersten gemeinsamen Sanktionsliste beschloss das höchste UN-Gremium am Freitag in New York, die beiden Gruppen jetzt separat zu behandeln.

Bislang werden Anhänger der Taliban und Al-Qaida-Kämpfer sowie mit den Bewegungen verbündete Organisation auf ein und derselben Liste geführt, die Sanktionen wie das Einfrieren von Vermögen und Reiseverbote vorsieht. Mit der neuen Regelung will der Westen die unterschiedlichen Strukturen und Zielsetzungen beider Gruppen herausstellen.

Selbstmordanschlag in Kabul

Während sich die Al-Qaida einen weltweiten Dschihad gegen den Westen führt, beschränken sich die Taliban auf Afghanistan und das angrenzende Pakistan. Die gemeinsame Sanktionsliste hatte zuletzt etwa 450 Taliban- und Al-Qaida-Terroristen sowie Terrorzellen erfasst.

Die von den USA angetriebene Initiative, nun getrennt gegen Taliban und al-Qaida vorzugehen, ist Teil der westlichen Bemühungen, eine Verhandlungslösung für den seit zehn Jahren andauernden Militäreinsatz in Afghanistan zu finden. Auch die afghanische Regierung bemüht sich um eine Aussöhnung mit den Taliban, die unter bestimmten Bedingungen wieder in die Gesellschaft integriert werden sollen.

Dass es bis dahin noch ein weiter Weg ist, hat sich am Samstag erneut gezeigt: Ein Selbstmord-Kommando der Taliban griff eine Polizeistation an einem belebten Markt im Zentrum Kabuls an. Die vier Attentäter hätten Uniformen der afghanischen Armee getragen, sagte ein Sprecher der Polizei in Kabul.

Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, der erste Attentäter habe sich am Eingang der Wache in die Luft gesprengt. Zwei weitere Angreifer seien von Polizisten erschossen worden. Ein vierter Extremist liefere sich weiterhin Gefechte mit den Sicherheitskräften.

Der Sprecher sagte weiter, es sei noch zu früh, um Angaben zu Opfern unter den Polizisten zu machen. Der private Sender Tolo TV meldete, zwei Polizisten seien ums Leben gekommen. Zwei Zivilisten seien bei den Kämpfen verletzt worden.