Kampf gegen den IS:"Werden niemals die Gründung eines neuen Staats erlauben"

Wochen bevor der IS in Suruç zuschlug, wurde über einen Einmarsch türkischer Truppen in Syrien spekuliert. Das Militär schien Vorbehalte zu haben. Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan sagte Ende Juni schon ganz deutlich: "Wir werden niemals die Gründung eines neuen Staats erlauben." An diesen Zielen hat sich nichts geändert. Nur an der Strategie, sie zu erreichen. Das lässt sich an der neuen Zusammenarbeit mit den USA erkennen.

Kurz nach dem Anschlag von Suruç haben US-Präsident Barak Obama und Erdoğan telefoniert. Es ging um Syrien. Beide haben ihre Interessen in diesem Konflikt. Die USA wollen den türkischen Luftwaffenstützpunkt Incirlik für die Einsätze gegen den IS nutzen. Die strategisch günstige Lage macht die Antiterrorkämpfer schlagkräftiger. Die Türkei weigerte sich lange.

Kurden sehen sich plötzlich in einer neuen Rolle

Die Türken wiederum hatten immer eine Flugverbotszone im Grenzgebiet gefordert - die konnte nur gegen das Assad-Regime gerichtet sein, denn der IS verfügt nicht über Kampfflugzeuge. Nun haben sich Türken und Amerikaner auf die Schaffung einer "IS-freien" Zone jenseits der Grenze verständigt: westlich des Euphrat knapp 100 Kilometer lang, 40 Kilometer breit. Der Begriff ist bedeutsam. Türkische Medien berichten, die USA wollten weder von einer Sicherheitszone, schon gar nicht von einer Flugverbotszone sprechen. Washington wolle vermeiden, dass das Vorgehen als Kampf gegen Assad gedeutet werden könnte - es gehe allein um den IS.

Die Türkei kann im Moment gut damit leben. Es sei "kein Platz entlang der türkischen Grenze" für den IS, sagt der türkische Premier Ahmet Davutoğlu. Die Türkei habe sich zwar nicht mit allen Forderungen in den Gesprächen mit den USA durchgesetzt. Bis zu einem "bestimmten Grad" würden aber die türkischen Belange berücksichtigt. Welche er meint, lässt sich auf Landkarten ablesen. Die Pufferzone liegt wie ein Keil zwischen zwei bereits von Kurden kontrollierten Gebieten und wird derzeit vom IS beherrscht.

Die Türkei hat konkrete Vorstellungen davon, wer künftig das Gebiet unter dem Schutz von US-Kampffliegern kontrolliert: "Es ist liegt an uns, wie wir das erreichen, aber wir wollen, dass gemäßigte syrische Rebellen das Gebiet übernehmen", erklärte Davutoğlu. Ein großer Teil der fast zwei Millionen Flüchtlinge aus Syrien, die in die Türkei gekommen sind, könnten ebenfalls dort leben, wenn das Grenzgebiet wieder sicher ist. Bodentruppen wollten weder er noch die Amerikaner einsetzen. Die Türkei brüstet sich schon damit, die Wende im zähen Kampf gegen den IS herbeizuführen.

Die Kurden, die bisher an der Seite der USA Erfolge errungen haben, sehen sich plötzlich in einer völlig neuen Rolle. Das türkische Militär geht mit voller Härte auch wieder gegen Stellungen der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei-PKK im Nordirak vor. In der Nacht zu Montag soll es einen Angriff auf das kurdische Dorf Sur Maghar in Syrien gegeben haben. Ankara bestreitet den Vorfall. Aus den USA war bisher kaum Kritik am Vorgehen der Türken zu vernehmen. Die hätten vielmehr das Recht, gegen Terroristen vorzugehen.

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