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Kampf gegen Assad:Dschihadisten im Irak und in Syrien verbünden sich

Syrische Dschihadisten trainieren im vergangenen Juli unweit von Aleppo

(Foto: AFP)

Ihr Ziel ist die Errichtung eines islamischen Staates: Die in Syrien operierende Al-Nusra-Front holt sich schlagkräftige Unterstützung und schließt sich mit dem irakischen Al-Qaida-Ableger zusammen. Auch die USA wollen sich in Syrien einmischen.

Die Gruppierungen der syrischen Rebellen, die gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad kämpfen, zersplittern immer mehr, die Geflechte werden zusehends unübersichtlicher. Nun streben Al-Qaida-Terroristen im Irak eine Vereinigung mit syrischen Dschihadisten an. Angeblich soll die in Syrien operierende Al-Nusra-Front dem Vorschlag bereits zugestimmt haben. Ziel sei die Errichtung eines islamischen Staates in Syrien.

Das geht aus einer Audiobotschaft hervor, die Ibrahim al-Badri, dem Anführer des Al-Qaida-Ablegers "Islamischer Staat im Irak", zugeschrieben wird. In der Aufnahme, die am Dienstag auf Islamisten-Websites veröffentlicht wurde, heißt es an die Adresse der Syrer: "Ihr habt über viele Jahre die Diktatur mit ihrem Unrecht erlebt. Nun passt auf, dass Ihr sie nicht durch das Unrecht der Demokratie ersetzt, so wie es in Ägypten, Tunesien und Libyen geschehen ist".

Auch die USA haben ihre Bereitschaft zur Unterstützung syrischer Rebellen signalisiert. US-Außenminister John Kerry sagte in Tel Aviv, er werde sich noch diese Woche in London mit Oppositionellen treffen. Dabei dürfte es sich um Mitglieder des Syrischen Nationalrats handeln, welche die syrische Opposition einen wollen. Der Nationalrat unterstützt die Freie Syrische Armee, eine Rebellengruppe, die aus dem desertierten Personal der syrischen Streitkräfte sowie aus ausländischen Kämpfern besteht.

Kerry sagte vor Journalisten: "Uns bleibt keine andere Wahl als Mittel und Wege zu finden, Assad dazu zu bringen, anders über die Zukunft zu denken. Das wird Teil der Beratungen in London und in den kommenden Wochen sein."

Kerry wurde nach einer dreitägigen Reise nach Israel und in die Palästinensergebiete am Abend in der britischen Hauptstadt erwartet. Es sei Sache des US-Präsidialamtes, "weiterreichende Bemühungen" in der Unterstützung der syrischen Opposition bekanntzugeben, sagte Kerry. Darüber sei in der vergangenen Woche in Washington bereits intensiv beraten worden.

Islamistische Terroristen seit 2012 in Syrien

Bereits jetzt erhalten die Feinde Assads Unterstützung aus dem Ausland - auch von Islamisten. Nach Meinung von Experten sind jedoch keineswegs alle Islamisten-Brigaden, die in Syrien auf der Seite der Rebellen kämpfen, dem Terrornetz Al-Qaida zuzurechnen.

Erstmals trat die Al-Nusra-Front im Januar 2012 mit einem Video in Erscheinung, im dem sie zum "Heiligen Krieg" gegen Assad und dessen "abtrünnige" Regierung aufrief. Ebenso wie die Al-Qaida-Terroristen im Irak machte sie vor allem mit Selbstmord- und Autobombenanschlägen auf sich aufmerksam und setzte sich damit von den konventionellen Kampfmethoden anderer Rebellengruppen in Syrien ab.

Wie bei der irakischen Al-Qaida kämpfen auch in den Reihen der Al-Nusra-Front ausländische Dschihadisten, darunter Palästinenser und Angehörige anderer arabischer Staaten. Auch Kämpfer aus dem Kaukasus, Nordafrika und Osteuropa schlossen sich der Gruppe an.

Westlichen Experten zufolge schuf die Assad-Regierung selbst die Basis für die heutige Stärke der Al-Nusra-Front, indem sie in den vergangenen Jahren Extremisten unbehelligt über syrisches Territorium zum Kampf gegen US-Truppen in den Irak ziehen ließ. Nun kehren viele dieser Kämpfer nach Syrien zurück. Al-Nusra hat Beobachtern zufolge aus Fehlern der Al-Qaida im Irak gelernt: Immer wieder betont die Gruppe, dass sich ihre Anschläge gegen militärische Ziele oder Vertreter der Assad-Regierung richteten. Al-Qaida im Irak machte sich dagegen durch ihre Brutalität, der zahlreiche Zivilisten zum Opfer fielen, bei der Bevölkerung unbeliebt.

Auf den Iraker Al-Badri, alias Abu Bakr al-Baghdadi, hat die US-Regierung ein Kopfgeld in Höhe von zehn Millionen US-Dollar (etwa 7,5 Millionen Euro) ausgesetzt. Mit seiner Botschaft bestätigte al-Bagdadi den Verdacht westlicher Geheimdienste, die schon seit längerem enge Verbindungen zwischen den beiden von den USA als Terrororganisationen eingestuften Gruppen vermuten.

© AFP/dpa/gal/olkl/mike
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